Filmstill zu "Sheriff Teddy"

Sheriff Teddy

Am 27. Februar läuft Heiner Carows Spielfilmdebüt SHERIFF TEDDY (1957) nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Benno Pludra im Rahmen der Heiner-Carow-Preisverleihung der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Kurzinhalt

Filmplakat zu "Sheriff Teddy"

SHERIFF TEDDY

(R: Heiner Carow, 1957) Grafiker: Hans Baltzer

Berlin in den 1950er Jahren. Im Westen der Stadt ist der 13-jährige Kalle (gespielt von Gerhard Kuhn) der unangefochtene Anführer der Teddy-Bande. Als er mit seinen Eltern (Else Wolz und Erich Franz) nach Ost-Berlin zieht, fällt ihm die Eingewöhnung in der neuen Umgebung schwer. Die Ansichten seines neuen Lehrers Herrn Freitag (Günther Simon) sind ihm fremd, bei den Mitschülern stößt er auf Unverständnis – und auch die von ihm gern gelesenen Schmöker-Hefte stoßen auf Ablehnung. Eine besondere Rivalität entwickelt Kalle zu seinem Mitschüler Andreas (Axel Dietz).

 Hier finden Sie die kompletten Filmdaten.

Drehort: Berlin

Gedreht wurde SHERIFF TEDDY in Berlin; in der Friedrichstraße, am Rosenthaler und am Warschauer Platz, am Schlesischen Tor und in der Hermann-Matern-Straße. Das geteilte Berlin war in den 1950er-Jahren ein beliebter Drehort der DEFA-Filmemacher. Es entstanden unter anderem die sogenannten Berlin-Filme – ALARM IM ZIRKUS (1954), EINE BERLINER ROMANZE (1956) und BERLIN – ECKE SCHÖNHAUSER… (1957) – alle in der Regie von  Gerhard Klein (1920–1970).

Original-Kinotrailer zu SHERIFF TEDDY (R: Heiner Carow, 1957)

Regisseur Heiner Carow

 Heiner Carow (1929­­–1997) wächst in Rostock auf und beginnt sich bereits zu Schulzeiten intensiv für das Theater zu interessieren. Er bewirbt sich am DEFA-Nachwuchsstudio als Regisseur und erhält gemeinsam mit neun weiteren Bewerbern eine Zusage der Auswahlkommission unter Leitung von Falk Harnack. 1953 beginnt Carow erste eigene dokumentarische Kurzfilme am DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme zu drehen. Der national und international prämierte Kurzfilm MARTINS TAGEBUCH (1956) wird Carows Wegbereiter zum DEFA-Spielfilmstudio. SHERIFF TEDDY markiert 1957 das Spielfilmdebüt des Regisseurs. Kindliche Helden und die glaubwürdige filmische Abbildung ihrer Lebensprobleme werden zu einem festen Bestandteil von Carows Filmografie – es folgen u. a. SIE NANNTEN IHN AMIGO (1958), DIE REISE NACH SUNDEVIT (1965/66) und IKARUS (1975).

Filmstill zu "Sheriff Teddy"

Das Filmteam bei den Dreharbeiten (R: Heiner Carow, 1957) Fotograf: Eberhard Daßdorf

Heiner Carow während der Dreharbeiten zu "Sheriff Teddy"

Heiner Carow während der Dreharbeiten (R: Heiner Carow, 1957) Fotograf: Eberhard Daßdorf

Kinderbuchautor Benno Pludra

SHERIFF TEDDY entstand nach der gleichnamigen Buchvorlage des auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisierten Schriftstellers Benno Pludra (1925–2014). Pludra realisierte gemeinsam mit Regisseur Heiner Carow auch das Drehbuch für die erste filmische Adaption eines seiner Bücher. 1966 verfilmt Heiner Carow mit Die Reise nach Sundevit eine weitere Geschichte des renommierten Autors. Mit LÜTT MATTEN ODER DIE WEISSE MUSCHEL (1963) und INSEL DER SCHWÄNE (1982), beide in der Regie von Herrmann Zschoche, TAMBARI (1976) von Ulrich Weiß und DAS HERZ DES PIRATEN (1986/87) von Jürgen Brauer werden insgesamt sechs Stoffe Benno Pludras im DEFA-Spielfilmstudio verfilmt.

Filmstill zu "Sheriff Teddy"

Gerhard Kuhn und Axel Dietz in SHERIFF TEDDY (R: Heiner Carow, 1957) Fotograf: Eberhard Daßdorf

Filmstill zu "Sheriff Teddy"

Gerhard Kuhn und Axel Dietz in SHERIFF TEDDY (R: Heiner Carow, 1957) Fotograf: Eberhard Daßdorf

Echo

Der Film erfährt im Zuge seiner Veröffentlichung ein überwiegend positives Presseecho. So urteilte die langjährige Filmkritikerin der Wochenpost Rosemarie Rehahn: „Ich glaube, dieser Kinderfilm ist so gut geworden, weil er die Kinder und ihre Welt ganz ernst nimmt, nirgends verniedlicht, nirgends belehrt oder begönnert“ (Wochenpost, 14.12.1957). Aber es gibt auch Autoren, die „das Nichtbeziehen der Positionen unseres Arbeiter- und Bauern-Staates“ kritisieren (Häntzsche, Deutsche Filmkunst 7/1958). Während der Dreharbeiten zu Carows folgendem Spielfilm SIE NANNTEN IHN AMIGO (1958) muss sich der Regisseur bei der Zweiten Filmkonferenz des Zentralkomitees der SED zum Thema „Revisionismus in der Filmkunst“ (Spur der Filme, S. 127) gemeinsam mit seinem früheren Lehrer  Gerhard Klein einer deutlichen Kritik stellen. Klein wird laut Carow als „schädlicher Vertreter des gefährlichen italienischen Neorealismus gebrandmarkt“ (ebd. S. 128). Carow verändert in der Folge das Ende von SIE NANNTEN IHN AMIGO und verleiht dem Film ein pathetisches Finale, das er später eigenhändig aus den Kopien entfernt. In Folge des Mauerbaus wurde die Zulassung des Films 1962 zunächst nicht verlängert, erst 1964 konnte SHERIFF TEDDY wieder gezeigt werden.

Verfasst von Philip Zengel (Februar 2020)

Filmstill zu "Sheriff Teddy"

Veranstaltungstipp: Heiner-Carow-Preis auf der Berlinale

Zum achten Mal verleiht die DEFA-Stiftung am Donnerstag, den 27. Februar, um 17:00 Uhr im Kino International (Karl-Marx-Allee 33, 10178 Berlin) im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin den Heiner-Carow-Preis.

Mehr Informationen auf der Website der Berlinale

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