Filmstill zu "Eine sonderbare Liebe"

Eine sonderbare Liebe

Lothar Warnekes DEFA-Gegenwartsfilm EINE SONDERBARE LIEBE (1983) ist im Rahmen der Buchneuerscheinung „Inszenierte Realität – DEFA-Spielfilme als Quelle zeitgeschichtlicher Deutung“ von Klaus-Dieter Felsmann in der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung auf DVD erschienen.

Kurzinhalt

Filmplakat zu "Eine sonderbare Liebe"

EINE SONDERBARE LIEBE

(R: Lothar Warneke, 1984) Grafikerin: Marlies Schlegel

Sibylle Seewald (gespielt von Christine Schorn) ist circa 40 Jahre alt, lebt allein und ist einsam. Mit Ehrgeiz und Disziplin hat sie sich eine angesehene Stellung in der Betriebskantine eines Industriewerks erarbeitet. Beim Kollegium ist sie unbeliebt. Auf einer Betriebsfeier lernt sie den alleinerziehenden Witwer Harald Reich (Jörg Gudzuhn) kennen und beginnt eine romantische Beziehung mit ihm. Sibylle gibt ihre Arbeit in der Kantine auf und steckt alle Energie in ihr neues Glück. Auch Harald freut sich über die neue Zweisamkeit, fühlt sich jedoch zunehmend bedrängt und ist überfordert mit den Veränderungen in seinem Leben.

 Hier finden Sie die kompletten Filmdaten.

Lothar Warneke und die Logik der Liebe

Mit seinen dokumentarisch anmutenden Gegenwartsfilmen avancierte  Lothar Warneke (1936–2005) zu einem der renommiertesten DEFA-Regisseure der 1970er und 1980er Jahre. Mehrfach verfilmt Warneke Stoffe, die sich mit Motiven der Partnerschaft und des Zusammenlebens auseinandersetzen: ES IST EINE ALTE GESCHICHTE (1972) beleuchtet eine Dreiecksliebe im Umfeld einer Gruppe von Medizinstudenten. Die Ehe im Spannungsfeld zwischen Arbeits- und Familienleben steht im Mittelpunkt von LEBEN MIT UWE (1974) und DIE UNVERBESSERLICHE BARBARA (1976). Auch Franziska Linkerhand (gespielt von Simone Frost) sieht sich in der Literaturverfilmung UNSER KURZES LEBEN (1981) mit ihrer gescheiterten Ehe konfrontiert. DIE BEUNRUHIGUNG (1982), eine Geschichte über die geschiedene Eheberaterin Inge Herold (gespielt von Christine Schorn), die sich mit einer Krebsdiagnose auseinandersetzen muss, wird zu einem Überraschungserfolg: Mit geringem Budget, kleinem Team und in Schwarz-Weiß an Originalschauplätzen gedreht, perfektioniert Warneke mit dieser Produktion seinen dokumentarischen Inszenierungsstil.

Filmstill zu "Eine sonderbare Liebe"

Jörg Gudzuhn und Christine Schorn in EINE SONDERBARE LIEBE (R: Lothar Warneke, 1984) Fotograf: Michael Jüttersonke

Filmstill zu "Eine sonderbare Liebe"

Jörg Gudzuhn und Christine Schorn in EINE SONDERBARE LIEBE (R: Lothar Warneke, 1984) Fotograf: Michael Jüttersonke

Wiederholung eines Erfolgs?

In einem Gespräch mit Dramaturgin Erika Richter erinnert sich der Regisseur, dass die Inszenierung von EINE SONDERBARE LIEBE im Anschluss an DIE BEUNRUHIGUNG kein Zufall war: „Wir hatten gemerkt, dass sich bei der ‚Beunruhigung’ eine tolle Zusammenarbeit ergeben hatte und wollten diese noch einmal praktizieren. Eine Art Nachbrenner.“ Die in DIE BEUNRUHIGUNG von Walfriede Schmitt gespielte Nebenfigur der erfolgreichen, aber emotional verkümmerten Richterin stößt beim Publikum auf ein großes Interesse und dient als Inspiration für Sibylle Seewald in EINE SONDERBARE LIEBE. Erneut sichert sich Lothar Warneke die Dienste des eigentlich am Dokumentarfilmstudio angestellten Thomas Plenert, der bereits bei DIE BEUNRUHIGUNG (1982) die Kamera führte. Christine Schorn wird ein weiteres Mal für die Hauptrolle besetzt.

In den Hauptrollen: Christine Schorn und Jörg Gudzuhn

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EINE SONDERBARE LIEBE

Christine Schorn in EINE SONDERBARE LIEBE (R: Lothar Warneke, 1984) Fotograf: Michael Jüttersonke

Christine Schorn (* 1944) arbeitete zuvor bereits mehrfach mit Lothar Warneke zusammen. In der Filmbiografie ADDIO, PICCOLA MIA (1978) spielt Schorn in einer Nebenrolle die hilfsbereite Georg-Büchner-Vertraute Caroline Schulz. Die von Selbstmordgedanken geplagte Sekretärin Gertrud verkörpert sie in UNSER KURZES LEBEN (1980). Die erfolgreichste Zusammenarbeit zwischen Schorn und Warneke markiert DIE BEUNRUHIGUNG (1981). Schorn wird für ihre Darstellung mit viel Lob und dem Darstellerpreis auf dem Nationalen Spielfilmfestival der DDR bedacht. Warneke wollte seiner Hauptdarstellerin für die vierte Zusammenarbeit einen gleich starken männlichen Spielpartner an die Seite stellen und fand diesen in  Jörg Gudzuhn (* 1945). Für Gudzuhn ist es die zweite Hauptrolle bei der DEFA und die erste Zusammenarbeit mit Lothar Warneke. Ein Jahr zuvor spielt er den besessenen Erfinder Stannebein in Rainer Simons DAS LUFTSCHIFF. Sein komisches Talent beweist Gudzuhn später im DEFA-Film FAHRSCHULE (1986) von Bernhard Stephan. Den gezeichneten Schriftsteller Hans Fallada in seinen letzten Lebensjahren mimt er in Roland Gräfs FALLADA – LETZTES KAPITEL (1988).

Drehort: Bernburg

Die Dreharbeiten zu EINE SONDERBARE LIEBE erfolgten im Herbst 1983 überwiegend in Bernburg. Viele Aufnahmen entstanden im dortigen VEB Vereinigte Sodawerke „Karl Marx“. Lothar Warneke erinnert sich in der Buchpublikation „Die Schönheit dieser Welt“: „(…) Es ist die Originalküche des Werkes, die uns zur Verfügung stand. Wie das gesamte Werk original ist, auch der Dreck. Den wollten wir ebenfalls zeigen. Diese entsetzliche Umweltverschmutzung, die da stattfindet. Dieser Kalk überall in Bernburg – das war furchtbar.“ Weitere Außenaufnahmen wurden u.a. am Bernburger Bahnhof gedreht. Eine Szene mit einem Cameo-Auftritt des DEFA-Regisseurs Jörg Foth spielt im Carl Maria von Weber Theater. Mit viel Liebe zum Detail gestaltete Szenenbildner Georg Wratsch die Wohnungen der Protagonisten. Die Einrichtungen lassen – zum Teil ironisch überspitzt – Rückschlüsse auf den jeweiligen Charakter und die Lebenssituation zu.

Filmstill zu "Eine sonderbare Liebe"

Lothar Warneke und Jörg Gudzuhn während der Dreharbeiten zu EINE SONDERBARE LIEBE (R: Lothar Warneke, 1984) Fotograf: Michael Jüttersonke

Filmstill zu "Eine sonderbare Liebe"

Lothar Warneke, Jörg Gudzuhn und Christine Schorn während der Dreharbeiten zu EINE SONDERBARE LIEBE (R: Lothar Warneke, 1984) Fotograf: Michael Jüttersonke

Echo

1984 wird EINE SONDERBARE LIEBE auf den XXIV. Filmfestspielen Karlovy Vary mit einem Hauptpreis ausgezeichnet. Die DDR-Filmkritik reagierte zum Teil überrascht auf die Würdigung und warf dem Film unter anderem eine Unentschiedenheit im Genre vor. Jörg Gudzuhn wurde 1985 mit dem Kritikerpreis der Sektion Theorie und Kritik des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR geehrt. Auf dem 4. Nationalen Spielfilmfestival der DDR 1986 in Karl-Marx-Stadt erhielten Kostümbildnerin Christiane Dorst, Hauptdarstellerin Christine Schorn und Szenarist Wolfram Witt Auszeichnungen.

verfasst von Esther Bartke und Philip Zengel (September 2020)

Filmstill zu "Eine sonderbare Liebe"

Christine Schorn in EINE SONDERBARE LIEBE (R: Lothar Warneke, 1984) Fotograf: Michael Jüttersonke

Filmstill zu "Eine sonderbare Liebe"

Jörg Gudzuhn in EINE SONDERBARE LIEBE (R: Lothar Warneke, 1984) Fotograf: Michael Jüttersonke

Buchtipp

Klaus-Dieter Felsmann untersucht im neuesten Band der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung „Inszenierte Realität – DEFA-Spielfilme als Quelle zeitgeschichtlicher Deutung“ DEFA-Gegenwartsfilme aus den Jahren 1971 bis 1991.

Inszenierte Realität beim Bertz + Fischer Verlag

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