Filmstill zu "KLK an PTX - Die Rote Kapelle"

KLK an PTX - Die Rote Kapelle

Der DEFA-Spielfilm KLK AN PTX – DIE ROTE KAPELLE (Horst E. Brandt, 1970) erscheint am 2. Juli in der Edition Filmjuwelen auf DVD und Blu-ray. Es ist der erste Langfilm, den die DEFA-Stiftung ausgehend von 70-mm-Filmmaterial in 4K digital restaurieren konnte.

Kurzinhalt

Filmplakat zu "KLK an PTX - Die Rote Kapelle"

KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE

(R: Horst E. Brandt, 1970) Grafiker: A.R.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten formt sich eine Gruppe, die Widerstand gegen das Regime leistet. Zu ihr gehören neben dem Ökonom Arvid Harnack (gespielt von Horst Drinda) auch Harro Schulze-Boysen (Klaus Piontek), hoher Offizier im Luftfahrtministerium, der Dichter Adam Kuckhoff (Horst Schulze), der kommunistische Redakteur John Sieg (Günther Simon) und der Arbeiter Kurt Schulze (Johannes Wieke), der den jungen Dreher Hans Coppi (Manfred Karge) im Funken ausbildet. Sie arbeiten auf der Grundlage der Beschlüsse der KPD, leiten wichtige Informationen ins Ausland. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wird ihr Kampf noch gefährlicher. Die Gestapo kommt der Gruppe auf die Spur...

 Hier finden Sie die kompletten Filmdaten.

Produktionsnotizen

Mit Produktionskosten von mehr als sechs Millionen Mark zählt der Film zu den teuersten Spielfilmen der DEFA-Geschichte. Premiere feierte das rund drei Stunden lange und als Zweiteiler konzipierte Werk am 25. März 1971 im Kino Kosmos in Berlin vor einer Vielzahl geladener Gäste aus Regierungs- und Parteikreisen sowie früheren Angehörigen der Roten Kapelle. Für die Produktion konnten zahlreiche renommierte Darstellerinnen und Darsteller der DDR gewonnen werden, darunter Horst Drinda, Klaus Piontek, Horst Schulte, Irma Münch, Ursula Karusseit, Manfred Karge, Jutta Wachowiak, Eberhard Esche, Heidemarie Wenzel uvm. Gedreht wurde das opulente Werk nach Möglichkeit an Originalschauplätzen in Prag, Brüssel, der Schweiz, in Dresden, Ahrenshoop und Berlin.

Filmstill zu "KLK an PTX - Die Rote Kapelle"

Barbara Adolph und Horst Schulze in KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (R: Horst E. Brandt, 1970) Fotografen: Peter Dietrich, Jörg Erkens

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Klaus Piontek und Jutta Wachowiak in KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (R: Horst E. Brandt, 1970) Fotografen: Peter Dietrich, Jörg Erkens

Die Rote Kapelle

Die Rote Kapelle, die ihren Namen von den Nationalsozialisten erhielt, war ein Netzwerk verschiedener, lose miteinander verbundener Gruppen, die ab Mitte der 1930er-Jahre in verschiedenen europäischen Ländern operierten und auf vielfältige Weise Widerstand gegen die Nazis leisteten. In Deutschland wird mit der Roten Kapelle insbesondere die Gruppe um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen verbunden. In der Roten Kapelle engagierten sich Menschen verschiedener Herkunft und Positionen – Wissenschaftler, Künstler, Arbeiter und Studenten – mit unterschiedlichen politischen Ansichten. Sie einte die Ablehnung des Hitler-Regimes. Nachdem es den Nationalsozialisten im Juli 1942 gelang einen im August 1941 abgefangenen Funkspruch aus Moskau zu dechiffrieren, wurden zahlreiche Mitglieder der Roten Kapelle inhaftiert und hingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Erinnerung an die Rote Kapelle geprägt durch den Eisernen Vorhang. Während das Netzwerk in der BRD als kommunistische Organisation diffamiert wurde, instrumentalisierte man die Rote Kapelle in der DDR für eigene Zwecke. Sämtliche Veröffentlichungen und Berichte über die Gruppe in der DDR wurden durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und das Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED gelenkt. In der DDR-Geschichtsschreibung wurde die Rote Kapelle so zu einer organisierten, kommunistischen Gruppe, die im Auftrag der Sowjetunion handelte.

Original-Kinotrailer von KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (R: Horst E. Brandt, 1970)

Entstehungsgeschichte I: Co-Produktion mit der Sowjetunion und Frankreich?

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Eberhard Esche

in KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (R: Horst E. Brandt, 1970) Fotografen: Peter Dietrich, Jörg Erkens

Erste Bemühungen der DEFA, die Geschichte der Roten Kapelle in einem Spielfilm zu verfilmen, gehen auf das Jahr 1965 zurück. Die Autoren Wolfgang Kohlhaase und Ralph Knebel begannen getrennt voneinander mit Recherchen und Materialsammlungen für die DEFA. Es gab jedoch Unklarheiten bezüglich der filmischen Konzeption und Vorbehalte seitens des Ministeriums des Inneren gegen den Stoff. Im Sommer 1965 erhielt die DEFA Kenntnis über Planungen der Sowjetunion zusammen mit dem französischen Regisseur Yves Campi einen Film über die Widerstandsgruppe zu inszenieren. Die DEFA möchte bei dem Projekt einsteigen und ist an einer Wiederbelebung der filmischen Beziehungen zu Frankreich interessiert. Im Raum steht die Realisierung zweier Filme – einer der die Berliner Gruppe beleuchtet, ein weiterer der die Aktivitäten der Roten Kapelle in Belgien und Frankreich ins Zentrum rückt. Das 11. Plenum des Zentralkomitees der SED im Dezember 1965 und die anschließende Entlassung der DEFA-Leitung machen diese Planungen zunichte.

Entstehungsgeschichte II: Drehbuch – Wera und Claus Küchenmeister

Unabhängig von diesen Geschehnissen forcierten die Drehbuchautoren Wera und Claus Küchenmeister einen Film über die Rote Kapelle. Claus Küchenmeisters Vater war selbst der Widerstandsgruppe verbunden und wurde 1943 durch die Nationalsozialisten hingerichtet. Im Sommer 1965 führten Küchenmeisters mehrere Gespräche im MfS über ihre Pläne. Die Erstellung eines ersten Treatments dauert bis in Jahr 1968. Die Abhandlung konzentriert sich auf die Zeit zwischen Verhaftung und Hinrichtung führender Gruppenmitglieder. Nachdem das Treatment sowohl bei der DEFA als auch bei der Staatssicherheit durchfällt, entsteht ein Rohdrehbuch, das die Tätigkeiten der Berliner Gruppe von 1932 bis 1942 umspannt. Auch dieser Entwurf stößt beim MfS auf deutliche Kritik. In einem Gutachten heißt es: „Weder in der Handlung noch in den Dialogen kommt die kämpferische Aktivität und die organisierte Mobilisierung der antifaschistischen Kräfte zum Ausdruck“. Weitere Änderungen sind nötig. Erst am 16. Dezember 1969 und damit kurz vor Drehstart im Januar 1970 erfolgt die Freigabe des Drehbuchs. Für die Regie stand zunächst Heiner Carow zur Debatte, der mit den Küchenmeisters bereits zusammengearbeitet hatte. Nach Zerwürfnissen über das Projekt DIE RUSSEN KOMMEN fiel die Wahl schließlich auf Horst E. Brandt, der auch in der Schlussphase der Drehbuchentwicklung mitwirkte.

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Irma Münch und Horst Drinda in KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (R: Horst E. Brandt, 1970) Fotografen: Peter Dietrich, Jörg Erkens

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Günther Simon in KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (R: Horst E. Brandt, 1970) Fotografen: Peter Dietrich, Jörg Erkens

Regie: Horst E. Brandt

Regisseur Horst E. Brandt (1923–2009) beginnt seine Filmlaufbahn als Kameramann und wirkt in dieser Funktion an DEFA-Werken wie STÄRKER ALS DIE NACHT (R: Slatan Dudow, 1954), ERNST THÄLMANN – FÜHRER SEINER KLASSE (R: Kurt Maetzig, 1955) oder JUNGES GEMÜSE (R: Günter Reisch, 1956) mit. Ab 1967 ist Brandt auch als Regisseur tätig. Sein Debütfilm, den er in Co-Regie mit Heinz Thiel realisiert, trägt den Titel BROT UND ROSEN (1967). Die Produktion über eine Arbeiterpersönlichkeit mit Musterbiografie ist ein Versöhnungsangebot der DEFA an die SED anlässlich des VII. Parteitags nach dem Kahlschlagplenum 1965. Auch in seiner weiteren Filmografie verschreibt sich der Regisseur insbesondere dem politischen Film. Neben KLK AN PTX – DIE ROTE KAPELLE entstehen Filme wie ZWISCHEN NACHT UND TAG (1975), der vier Wochen aus dem Leben des kommunistischen Dichters Erich Weinert in der Emigration beleuchtet oder die Literaturverfilmung BRANDSTELLEN (1977) nach F.J. Degenhardt, die sich mit der linken Szene in der Bundesrepublik auseinandersetzt. Mit dem Ende der DEFA endet auch Brandts filmisches Schaffen. 2003 veröffentlicht er seine Memoiren; 2007 entsteht in Zusammenarbeit mit der DEFA-Stiftung die Publikation  „Wir, die Bildermacher... Kameramänner im DEFA-Studio für Spielfilme“.

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Heidemarie Wenzel und Horst E. Brandt bei den Dreharbeiten zu KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (R: Horst E. Brandt, 1970) Fotografen: Peter Dietrich, Jörg Erkens

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Günter Haubold und Horst E. Brandt bei den Dreharbeiten zu KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (R: Horst E. Brandt, 1970) Fotografen: Peter Dietrich, Jörg Erkens

70mm – ein besonderes Format

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Kameramann Günter Haubold

bei den Dreharbeiten zu KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (R: Horst E. Brandt, 1970) Fotografen: Peter Dietrich, Jörg Erkens

Um den Siegeszug des Fernsehens zu stoppen, setzt das Kino ab den 1960er Jahren auf neue technische Entwicklungen und breitere Leinwände. Auch in der DDR werden 20 Lichtspielstätten umgerüstet. In den Sälen laufen ab 1963 zunächst angekaufte Filme aus der Sowjetunion und den USA – darunter Kassenschlager wie SPARTACUS (Stanley Kubrick, 1960). Früh reifen jedoch Pläne eigene Filme mit 70-mm-Technik auf 70-mm-Orwocolor-Negativmaterial zu produzieren. Unter Leitung des Ingenieurs Georg Maidorn wird im Spielfilmstudio die Kamera „70 Reflex“ entwickelt. Nach der Fertigstellung der Kamera 1964 ist die DDR – nach den USA und der Sowjetunion – der dritte Staat, der über eine eigene 70-mm-Technik verfügt. DEFA-Tontechniker Ulrich Illing gibt in seinem Aufsatz im Jahrbuch der DEFA-Stiftung 2000 den DDR-Filmemacherwitz zum Besten, „daß alle großen Staaten der Welt, die mit dem Buchstaben ‚U’ beginnen, die aufwendige 70-mm-Filmtechnik einführten, und zwar waren das: die USA, die UdSSR und ‚Unsere DDR’.“ Zwischen 1967 und 1974 produzierte die DEFA acht Spiel- und zwei Dokumentarfilme im 70-mm-Format – darunter die Lion-Feuchtwanger-Verfilmung GOYA (Konrad Wolf, 1971) und die Operettenadaption ORPHEUS IN DER UNTERWELT (Horst Bonnet, 1973) nach Jacques Offenbach. Aufgrund ausufernder Kosten wurde die Produktion von 70-mm-Filmen bei der DEFA Mitte der 1970er-Jahre eingestellt.

Echo

Nach einem gemischten Presseecho erhielt KLK AN PTX – DIE ROTE KAPELLE zahlreiche Auszeichnungen. Nationalpreise 1. Klasse gingen an Regisseur Horst E. Brandt, Kameramann Günter Haubold und die Drehbuchautoren Wera und Claus Küchenmeister. Die Filmschaffenden wurden zudem mit dem Kunstpreis des FDGB sowie dem Kunstpreis der DDR bedacht. Der Film erhielt in der DDR das Prädikat „besonders wertvoll“ und lief international unter anderem in Moskau, Kiew und Stockholm.

verfasst von Philip Zengel (Juni 2021)

DVD-Neuerscheinung: KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE

In der Edition Filmjuwelen erscheint KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE auf DVD und Blu-ray. Als Bonusmaterialien beinhaltet die Edition den Original-Kinotrailer und ein Booklet von Ralf Schenk.

die Bluray bei jpc

Lektüretipp: Leuchtkraft 2020

Unter der Überschrift „Morgen werdet Ihr Deutschland sein: KLK an PTX– Die Rote Kapelle. Der Film und seine Geschichte“ spürt Ralf Schenk der Entstehungsgeschichte des Films nach (S. 99-120).

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