Filmstill zu "Einfach Blumen aufs Dach"

Otto Meyer

Regisseur

* 1. April 1910 in Miala (Posen/Westpreußen); † 16. Juni 2000 in Tinnum/Sylt

Biografie

Filmstill zu "Schatten über den Inseln"

Otto Meyer

bei den Dreharbeiten zu SCHATTEN ÜBER DEN INSELN (R: Otto Meyer, 1952) Fotograf: Gerhard Kowalewski

Seinen Debütfilm drehte der spätere erfolgreiche Fernsehregisseur Otto Meyer 1952 bei der DEFA: SCHATTEN ÜBER DEN INSELN wurde als 50. Spielfilm der Babelsberger Firma von der Presse weitgehend gelobt und lief auch auf dem Festival im Karlovy Vary. Dennoch brachten es die Zeitumstände mit sich, dass Meyer keine weiteren DEFA-Pläne realisieren konnte; ab 1953 arbeitete er im Westen. Noch in hohem Alter erinnerte er sich gern und detailliert an seine Lehrjahre bei der DEFA und gab dem Filmmuseum Potsdam ein umfangreiches autobiografisches Interview.

Otto Meyer wird am 1. April 1910 als Sohn eines Postbeamten in Miala (heute Miała/Großpolen) geboren und kommt 1920 nach Berlin. Seine frühen Berufswünsche Lehrer und Buchhändler erfüllen sich nicht; für ein pädagogisches Studium fehlt der Familie das Geld, und die Lehrstelle in einer Buchhandlung geht an einen anderen Bewerber. Auf Anregung des Vaters nimmt Otto Meyer eine Ausbildung als Fernmeldetechniker bei der Post auf, lernt dabei auch unterirdische Kabel und Oberleitungen zu verlegen. Nach drei Jahren wird er von der Post zur Weiterbildung für den höheren Dienst auf die Staatliche Ingenieurakademie Gauß in Berlin delegiert. Schon als Kind ist er filmbegeistert; später erinnert er sich, dass sein erster Kinobesuch einer Komödie mit den damals prominenten Stummfilmstars Lotte Neumann und Harry Liedtke galt. Als Student legt sich Otto Meyer eine Schmalfilmkamera zu, dreht kleine Familien- und Reisefilme. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, einem Lehrling bei einem Optikermeister in Siemensstadt, fertigt er einen rund zehnminütigen 16-mm-Werbefilm, der im Schaufenster des Geschäfts aufgeführt wird.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wird Meyer zum Wehrdienst einberufen. Aufgrund seiner Ingenieurlehre wird er während der Ausbildung in Potsdam 1938/39 zum Waffenmeister ernannt und in dieser Funktion auch als Komparse zu Dreharbeiten für Karl Ritters Kriegsfilm ...ÜBER ALLES IN DER WELT nach Babelsberg abkommandiert. Meyer: „Ich richtete es bei den Aufnahmen immer so ein, dass ich in der Nähe der Kamera beschäftigt war und beobachtete jede Bewegung der Techniker, Kameraleute, Regisseure und Schauspieler. Mit den Augen stahl ich mir vieles, was ich später gut gebrauchen konnte.“ (DEFA-Pressedienst, Heft 2/1952).

Filmstill zu "Schatten über den Inseln"

Willy A. Kleinau in SCHATTEN ÜBER DEN INSELN (R: Otto Meyer, 1952) Fotograf: Gerhard Kowalewski

Filmstill zu "Schatten über den Inseln"

Kriemhild Falke und Erwin Geschonneck in SCHATTEN ÜBER DEN INSELN (R: Otto Meyer, 1952) Fotograf: Gerhard Kowalewski

Nach Kriegsbeginn kommt Otto Meyer nach Frankreich und Polen. Von seinem Kompaniechef erhält er den Befehl, in Berlin eine Schmaltonfilmapparatur für die Truppenbetreuung zu erwerben. Nach dem Erfolg der ersten Filmvorführung mit Carl Froehlichs Zarah-Leander-Melodram HEIMAT wird Meyer beauftragt, eine Funklimousine umzubauen und verschiedene Truppenteile abzufahren, um dort Kinoabende zu veranstalten. An den Wochenenden kehrt er zum Filmtausch nach Berlin zurück und versorgt bei dieser Gelegenheit seine dort wohnenden Eltern mit Lebensmitteln. Mit dem Einmarsch in die Sowjetunion endet die Möglichkeit, Filme zu zeigen, abrupt; stattdessen muss Meyer für den Kommandeur seiner Panzerabwehrabteilung nun kleine 16mm-Filmberichte über Frontaktivitäten drehen, die ihn im Kriegswinter 1941 bis kurz vor Moskau führen: „Also, ich hab da gedreht noch und noch. Landser mit erfrorenen Beinen, die Ausrüstung war für diesen Winterkrieg ja überhaupt nicht vorhanden, die dünnen Mäntelchen und Handschuhe, das war völlig unzulänglich für diese 30, 40 Grad minus.“ (Meyer im Interview mit Schenk, 1993). Das Filmmaterial geht im Laufe des Rückzugs verloren. Meyer wird dabei im Dezember 1941 durch einen Schuss in den Unterarm verwundet, erkrankt an Flecktyphus und kommt in ein Seuchenkrankenhaus nach Teupitz. Anschließend wird er Filmvorführer, zeigt Ausbildungsfilme für Rekruten und wird schließlich von einem Rüstungsbetrieb in Köpenick (GEMA) als Prüffeldingenieur bei der Entwicklung des geräuschsuchenden Torpedos „Zaunkönig“ eingesetzt. Dadurch erhält er eine „uk“(unabkömmlich)-Stellung. Im August 1942 heiratet er Ruth Eck, die Tochter eines Zahnarztes. Das Kriegsende verbringt er in einem Keller in Reinickendorf; den einmarschierenden Russen stellt er sich im weißen Kittel als Assistent seines Schwiegervaters vor und entgeht so der Gefangenschaft.

Bereits kurze Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges versucht Otto Meyer, der nicht wieder zur Post zurück will, beim Film unterzukommen. Mit dem Rad fährt er nach Babelsberg, beobachtet dort aber nur den Abtransport von Technik und Ausrüstungen durch die sowjetische Besatzungsmacht. Ein Kinobesitzer am Bahnhof Schönholz bittet ihn, mit ihm gemeinsam seine ehemaligen Universum-Lichtspiele, aus dem die Projektoren abgeholt worden waren, zum Theatersaal umzubauen. Meyer besorgt Holz, Kabel und Scheinwerfer und eröffnet am 1. Juli 1945 die Universum-Kleinkunstbühne. Er engagiert Musikclowns und Jongleure, stellt eine kleine Kapelle zusammen, übernimmt die Programmleitung. Gespielt wird auch für sowjetische Soldaten. Durch die Bekanntschaft mit dem Komponisten Eberhard Schmidt und seiner Frau, die spätere DEFA-Dokumentarfilmregisseurin Eva Fritzsche, die sich einige der Programme ansehen, kommt Meyer zum politischen Kabarett „Der Besen“ in Berlin-Pankow und übernimmt hier die technische Leitung. Danach wird er technischer Leiter des Kabaretts „Frischer Wind“, das von dem Schauspieler und Kabarettisten Walter Gross als Künstlerischem Leiter betrieben wird und im Ballhaus „Alt-Bayern“ am südlichen Ausgang des Bahnhofs Friedrichstraße spielt.

Filmstill zu "Die Kuckucks"

Hans Neie und Otto Meyer bei den Dreharbeiten zu DIE KUCKUCKS (R: Hans Deppe, 1949) Fotograf: Gerhard Kowalewski

Filmstill zu "Das Beil von Wandsbek"

Otto Meyer und Willy A. Kleinau im Gespräch während der Dreharbeiten zu DAS BEIL VON WANDSBEK (R: Falk Harnack, 1950) Fotograf: Erich Kilian

Weil Otto Meyer nach wie vor zum Film will, vermittelt ihm der Direktor des „Frischen Wind“, Willy Pohle, ein Gespräch mit Wolfgang Staudte. Der weist Meyer auf die Möglichkeit hin, als Kameraassistent von Georg Bruckbauer bei STRASSENBEKANNTSCHAFT ( Peter Pewas, 1947) mitzuarbeiten. Weil die Stelle schon besetzt ist, lässt sich Meyer darauf ein, als zweiter Aufnahmeleiter tätig zu sein. Am 7. Mai 1947 erhält er seinen ersten ersten, mit 350 Mark monatlich dotierten Vertrag von DEFA-Wirtschaftsdirektor Karl Hans Bergmann. Für seine nächste Tätigkeit als Assistent des Aufnahmeleiters von GRUBE MORGENROT ( Erich Freund,  Wolfgang Schleif, 1949) erhält er 450 Mark, für die Regieassistenz von DIE KUCKUCKS (Hans Deppe, 1949) 800 Mark. Das Projekt „Licht für Lobenstein“ (Regie: Thomas Engel), für das er einen Vertrag über 1.000 Mark abgeschlossen hat, wird nach den Probeaufnahmen abgebrochen. Dafür stellt ihn die DEFA frei, um bei Artur Brauners Westberliner Firma CCC die Regieassistenz für MÄDCHEN HINTER GITTERN (Alfred Braun, 1949) zu übernehmen. Als Braun nach einigen Drehtagen aus Krankheitsgründen ausscheidet, bringt Meyer den Film allein zu Ende und kehrt danach zur DEFA zurück. Nach der Regieassistenz für Kurt Maetzigs DER RAT DER GÖTTER (1950), für den er bereits 1.500 Mark plus 300 Mark Prämie erhält, wird Meyer gebeten, ohne offizielle Nennung in den Stabangaben die mit 2.500 Mark dotierte Hilfsregie für  Artur Pohls DIE JUNGEN VON KRANICHSEE (1950) zu übernehmen.

1950 bietet ihm die DEFA erstmalig eine eigene Regie an; Meyer kommentiert das später so: „Die DEFA, die als einzige Produktionsgesellschaft in Deutschland den Film nicht nur als Handelsobjekt ansieht, kann es sich erlauben, dem Nachwuchs eine Chance zu geben.“ (DEFA-Pressedienst, Heft 2/1952). Er soll das Projekt „Kalter Krieg“ (später: FAMILIE BENTHIN) übernehmen. Der Film ist ein Parteiauftrag der SED an die DEFA und soll in Vorbereitung der Wahlen im Spätsommer 1950 die Überlegenheit der Politik in der Sowjetischen Besatzungszone und jungen DDR gegenüber der Politik in den Westzonen belegen. Am Drehbuch schreiben die Autoren Johannes R. Becher, Kurt Barthel (Kuba) und Ehm Welk sowie  Slatan Dudow, der aber nicht die Regie übernehmen will. Meyer, der in Westberlin lebt, erkennt die politischen Fallstricke des schematischen und didaktischen Buches und windet sich aus der Affäre, indem er auf einer mehrwöchigen Studienreise durch die Bundesrepublik beharrt, um dort die Verhältnisse in Augenschein zu nehmen. Das lehnt die DEFA-Leitung ab. In die Regie teilen sich schließlich Slatan Dudow, Kurt Maetzig und, ohne genannt zu werden, Richard Groschopp. Auch ein zweites Regieprojekt, der Film „Gewitter“, ein Landwirtschaftsfilm mit Claus Holm als Traktorist, kommt nicht zustande. Dafür übernimmt Meyer eine weitere Assistenz, diesmal bei Falk Harnack (DAS BEIL VON WANDSBEK, 1951).

Filmstill zu "Schatten über den Inseln"

Kameramann Eugen Klagemann, Otto Meyer, Fachberater Erich Wustmann (den Fisch haltend) und eine nicht bekannte Frau bei den Dreharbeiten zu SCHATTEN ÜBER DEN INSELN (R: Otto Meyer, 1952) Fotograf: Gerhard Kowalewski

Filmstill zu "Schatten über den Inseln"

Sabine Thalbach und Otto Meyer bei den Dreharbeiten zu SCHATTEN ÜBER DEN INSELN (R: Otto Meyer, 1952) Fotograf: Gerhard Kowalewski

Im Sommer 1951 wählt Otto Meyer aus mehreren ihm von DEFA-Chefdramaturg Wolff von Gordon vorlegten Drehbüchern den Stoff SCHATTEN ÜBER DEN INSELN aus. Es ist ein Buch des Schriftstellers Kurt Adalbert Stahlschmidt, der unter dem Namen Kurt Adalbert bereits als Dramaturg an SAURE WOCHEN – FROHE FESTE (Wolfgang Schleif, 1950) und DIE JUNGEN VON KRANICHSEE für die DEFA gearbeitet hat und nun eine Geschichte von den Färöer-Inseln um 1930 erzählt. Die DEFA schätzt die Vorlage zwar als „in der DDR nicht realisierbar“ ein, weil Dreharbeiten vor Ort nicht möglich sind und das Ganze ohne Aufnahmen von dort, zum Beispiel von den auf Färöer nistenden Seevögeln, kaum zu denken ist. Doch Otto Meyer lässt sich nicht abschrecken, sucht nach dokumentarischen Bildern aus dem Nordmeer, die er am Beginn der Erzählung platzieren kann, und findet Aufnahmen des Völkerkundlers und Reiseschriftstellers Erich Wustmann (1907–1994). Weitere Szenen vom Hafen, von Strand und Klippen können an der Ostsee realisiert werden. Meyer geht mit Kameramann Eugen Klagemann auf Drehortsuche, schaut sich für Außenaufnahmen Kap Arkona und Hiddensee an. So wird SCHATTEN ÜBER DEN INSELN zur Produktion freigegeben, die Dreharbeiten beginnen im Oktober 1951 auf der Insel Rügen und dauern rund siebzig Tage. Gedreht wird u.a. in Wiek, wo Straßen und Hafen eine ideale Kulisse für den Filmstoff bieten und neben Laiendarstellern sogar die örtliche Feuerwehr zum Einsatz kommt. Die Zeitschrift „Neue Film-Welt“ berichtet in einer Drehreportage: „Durch sorgfältige Bildwahl, genau auskalkulierte und immer wieder korrigierte Beleuchtungsgrade und in schwierigen Seeaufnahmen fing Klagemann jene Einsamkeit und Stimmung der Färöer-Inseln ein. (...) Nicht weniger große Aufgaben standen vor den Architekten Erich Zander und Karl Schneider. In mühevoller Kleinarbeit wurden nach Originalunterlagen Möbel, Häuser und Wirtschaftsgegenstände nachgebildet, um auch in dieser Hinsicht ein echtes Bild zu vermitteln. (...) Herbert Trantow verwendete zu einem großen Teil isländische und färingische Volksmusik, um auch in dieser Hinsicht das notwendige Lokalkolorit zu wahren.“ (Neue Film-Welt, Heft 3/1952). Gedreht wird zudem auf dem Babelsberger Freigelände und in den dortigen Ateliers; auch in Johannisthal finden Aufnahmen statt.

Mit Erwin Geschonneck und Willy A. Kleinau in den Hauptrollen prominent besetzt, erzählt der Film die Geschichte eines Arztes, der eine geheimnisvolle Vogelkrankheit entdeckt und dadurch eine tödliche Pandemie auf den Inseln besiegen kann. Nach der Premiere im Mai 1952 fallen die Kritiken überwiegend positiv aus; der Film – der 50. Spielfilm der DEFA – wird sogar zum Internationalen Filmfestival in Karlovy Vary delegiert. Allerdings erhebt das Zentralorgan der SED, das „Neue Deutschland“, einen schwerwiegenden politischen Einwand. Die Rezensentin Rosemarie Rehahn lobt zwar, SCHATTEN ÜBER DEN INSELN mache deutlich, dass die Wissenschaft „nur verbündet mit der Arbeiterklasse ihre großen humanistischen Ziele erreichen“ könne und „dass das Volk selbst gegen die scheinbar mächtigsten Herren Erfolge erringen kann, wenn es einig kämpft“, kritisiert aber das im Film gezeigte Vertrauen auf Wahlen: „Indem er einen Wahlsieg überbetont, erweckt er den Eindruck, als könnten die Werktätigen auf dem Weg des Parlamentarismus zum Ziel kommen. (...) Ein Wahlsieg ist wichtig als Zeichen des Kraftbewusstseins und des Reifegrades der Werktätigen auf diesen Inseln. Jetzt geht der Kampf auf einer höheren Stufe weiter. Das hätte der Film an einer entscheidenden Stelle deutlich zeigen müssen.“ (Neues Deutschland, 18. 5. 1952). Gefordert wird also nichts weniger als die filmische Darstellung eines revolutionären Umsturzes alter Verhältnisse – gleichsam eine „Oktoberrevolution“ auf den Färöer-Inseln. Eine Forderung aus dem Zeitgeist der späten Stalin-Jahre.

Filmstill zu "Schatten über den Inseln"

Malerisch inszeniert vor der Küste Rügens: SCHATTEN ÜBER DEN INSELN (R: Otto Meyer, 1952) Fotograf: Gerhard Kowalewski

Filmstill zu "Schatten über den Inseln"

Markanter Drehort: Walter Weinacht vor der Uferkapelle in Vitt auf Rügen während der Dreharbeiten zu SCHATTEN ÜBER DEN INSELN (R: Otto Meyer, 1952) Fotograf: Gerhard Kowalewski

Nach SCHATTEN ÜBER DEN INSELN schreibt Otto Meyer, wiederum gemeinsam mit Kurt Adalbert Stahlschmidt, das Drehbuch „Röntgen“ über den deutschen Wissenschaftler und Entdecker der X-Strahlen, Wilhelm Conrad Röntgen. Doch nach der SED-Filmkonferenz im September 1952, auf der gefordert wird, dass sich die DEFA vorrangig mit der Gegenwart und den positiven Traditionen der deutschen Arbeiterklasse befassen soll, wird das Projekt als zu bürgerlich abgelehnt. Meyer wird vertröstet. Nachdem er ein ganzes Jahr lang auf einen nächsten Regieauftrag gewartet hat, heuert er als Regieassistent bei der österreichischen Produktion DREI, VON DENEN MAN SPRICHT (1953, Axel von Ambesser) an – vermittelt vom ehemaligen DEFA-Produktionsleiter Kurt Hahne. Daraufhin kündigt ihm die DEFA am 20. April 1953 seinen Vertrag. „Ich hätte jederzeit mit einer Aufgabe betraut werden können, was jedoch nicht geschah“, schreibt er im Mai 1953 an DEFA-Direktor Hans Rodenberg. „Ich konnte nicht länger auf eine Tätigkeit warten, dazu bin ich ein zu aktiver Mensch. Fast ein Jahr lang im Leerlauf ist für meine künstlerische Entwicklung alles andere als gut gewesen. Nachdem ich fast sechs Jahre bei der DEFA gewesen bin, ist mir mein Entschluss nicht leicht gefallen. In der Angelegenheit der bereits abgegoltenen Vertragsmonate bin ich zu einer gütlichen Einigung bereit. Ich bitte jedoch zu beachten, dass ich während der Zeit Ihnen zur Verfügung gestanden habe und jederzeit mit einer Aufgabe hätte betraut werden können, was jedoch nicht geschah.“

Otto Meyer setzt seine Karriere in Österreich und der Bundesrepublik fort. Um Fuß im westdeutschen Filmbetrieb zu fassen, lässt er sich zunächst auf weitere Regieassistenzen u.a. bei Axel von Ambesser (GLÜCK MUSS MAN HABEN, 1953), Erich Engel (DER MANN MEINES LEBENS, 1954; KONSUL STROTTHOFF, 1954), Paul Verhoeven (...WIE EINST LILI MARLEEN, 1956) und Gottfried Reinhardt (VOR SONNENUNTERGANG, 1956) ein. 1954 dreht er – ab dann als Regisseur – das Märchen DER FROSCHKÖNIG und 1956 den Heimatfilm DORT OBEN, WO DIE ALPEN GLÜH’N. 1957 inszeniert er DER WILDERER VOM SILBERWALD und die erfolgreiche Märchenadaption AUFRUHR IM SCHLARAFFENLAND, 1958 EINMAL NOCH DIE HEIMAT SEHN und 1960 DIE INSEL DER AMAZONEN. Der ARD verhilft er durch die Serie ALLE MEINE TIERE (1963) mit Gustav Knuth zu einem beachtlichen Publikumserfolg.

Original-Kinotrailer zu SCHATTEN ÜBER DEN INSELN (R: Otto Meyer, 1952)

Seit Mitte der 1960er-Jahre gehört Meyer, der auch für Kabarett und Theater tätig ist, zu den „Regisseuren der ersten Stunde“ beim neu etablierten Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF). Er dreht Werbefilme, Musiksendungen, Serien, Fernsehspiele und übernimmt die Bildregie bei Theateraufzeichnungen. Zu seinen bekanntesten TV-Produktionen zählen HALLO, MAX mit dem schauspielernden Profiboxer Max Schmeling, PREMIEREN VON GESTERN (1966/68) mit Gustav Fröhlich, LEISE FLEHEN MEINE LIEDER sowie 39 Folgen BLICK ZURÜCK IM FILM (1963–71). Für die Serie UNSERE PAUKER (1966) arbeitet er mit Georg Thomalla und Heli Finkenzeller zusammen. Weitere Arbeiten sind u.a. die Serie FINKE & CO. (1968/69), die Dokumentation DAS GROSSE HAUS (1968) über das Westberliner Schiller-Theater, ein Emil-Jannings-Porträt (1969), die Musikserie TANZ-CAFÉ (1970/71), die musikalischen Revuen WO MAN SINGT (1971), OLDTIMER (1972), DAS SCHÖNE LIED (1973), SO LEBEN WIR ALLE TAGE (1976) und LIEDER AUS DER KÜCHE (1980). In der Serie SPRUNGBRETT (1972), für die er fünf Episoden realisiert, widmet er sich Berufsproblemen junger Leute. Eine seiner letzten Arbeiten ist die Fernsehfassung des Stücks WASSA SHELESNOWA (1984) von Maxim Gorki mit Inge Meysel in der Titelrolle. Nach dem Fall der Mauer und der deutschen Vereinigung gibt Meyer dem Filmmuseum Potsdam ein Audio-Interview über sein Leben und Werk, vor allem seine Jahre bei der DEFA, und stellt sich als Gesprächspartner für die ORB-Dokumentation über Falk Harnack (FALK HARNACK. VOM AUFRECHTEN GANG, 1994) zur Verfügung.

Otto Meyers Söhne arbeiten ebenfalls beim Film. Der 1947 geborene Michael Meyer (aka Michael Werlin) ist zunächst Regieassistent und arbeitet in dieser Funktion u.a. mit seinem Vater, aber auch mit Regisseuren wie  Hans Heinrich,  Wolfgang Schleif,  Herbert Ballmann und mehrfach auch mit Wolfgang Staudte zusammen, dann ab 1979 Regisseur; so dreht er u.a. die westdeutsche Neuverfilmung von Klaus Poches und Jürgen Böttchers JAHRGANG 45 unter dem Titel DER JUNGE MIT DEM JEEP (1986). Der 1956 geborene Martin Meyer wirkt als Kameramann.

Otto Meyer stirbt am 16. Juni 2000 in Tinnum auf Sylt.

Verfasst von Ralf Schenk. (Dezember 2021)

Literatur

  • Kurt Adalbert: Schatten über den Inseln. In: Neue Film-Welt, Berlin/DDR, Heft 1/1952, S. 12.
  • Otto Meyer: Vom Schmalfilmamateur zum Filmregisseur. In: DEFA-Pressedienst, Berlin/DDR, Heft 2/März 1952, S. 24.
  • K.-H. Busch: Schatten über den Inseln. In: Neue Film-Welt, Berlin, Heft 3/1952, S. 6.
  • nn: Schatten über den Inseln. In: Mein Film, Wien, Heft 39/1952.

DEFA-Filmografie

Eine erweiterte Filmografie können Sie unter filmportal.de einsehen.

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