Filmstill zu "Mein lieber Robinson"

DEFA-Chronik für das Jahr 1955

 

Januar 1955

1. Januar

Die „Stacheltier“-Gruppe wird aus dem DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme ausgegliedert und dem DEFA-Studio für Spielfilme angeschlossen. Bis 1964 werden weit über 200 satirische Kurzfilme, fünf Film-Magazine, diverse Agitationsstreifen und Kinder-Abendgrüße für das DDR-Fernsehen sowie mehrere halblange und abendfüllende Spielfilme produziert. Ständige Mitarbeiter sind: Richard Groschopp (Regisseur), Herbert Theuerkauf (Chefdramaturg), Eva Seemann (Dramaturgin), Helmut Klein (Produktionsleiter) und Harald Horn (Szenenbildner). Wichtige Autoren sind Carl Andrießen, Erich Brehm, Lothar Creutz, Heinz und Lilo Busse, Georg Honigmann, Lothar Kusche, Helmut Schneider, John Stave, Herbert Theuerkauf und Heinz Thiel. Zu den Regisseuren zählen Benno Besson, Frank Beyer, Erich Brehm, Herwart Grosse, Hubert Hoelzke, Kurt Jung-Alsen, Ernst Kahler, Hans-Joachim Kasprik, Ralf Kirsten, Gottfried Kolditz, Rudi Kurz, Rolf Losansky, János Veiczi, Herrmann Zschoche u. a.
(Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 96, Günter Jordan: Film in der DDR, Daten - Fakten - Strukturen, Filmmuseum Potsdam, 2. Überarbeitete Fassung 2013, S. 136, 162)

Filmplakat zu "Der Ochse von Kulm"

DER OCHSE VON KULM

(R: Martin Hellberg, 1954) Grafiker: Paul Rosie

27. Januar

Premiere des DEFA-Spielfilms DER OCHSE VON KULM (R: Martin Hellberg), eine Komödie, die auf das Traumbild einer Volksfront verzichtet. Ein Bauer soll ins Gefängnis, weil sein Ochse auf der Wiese US-Besatzungssoldaten angeschnaubt hat. Der Bauer weiß das geschickt zu verhindern und schlägt sogar Kapital aus dem Urteil. Ein munterer und nicht verbissener Film, aber die Polemik gegen die Remilitarisierung der BRD wird spürbar. Mehr als vier Millionen Menschen sehen den Film im Kino.
(Ralf Schenk: Mitten im Kalten Krieg 1950 bis 1960. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 86; Ralf Schenk: DEFA 1946-1992. 100 Jahre Studio Babelsberg. Filmmuseum Potsdam, 2012, S. 131)

März 1955

24. März

Anton Ackermann, Leiter der HV Film, veranstaltet eine internationale Pressekonferenz des Clubs der Filmschaffenden in Berlin über die Situation des Filmwesens in der DDR. Er gibt zunächst einen Überblick über die künstlerischen Leistungen der DEFA–Produktion. Von den vier Filmstudios der DEFA haben drei im vergangenen Jahr ihre Aufgaben übererfüllt. Neben drei Filmen vorwiegend politischen Inhalts entstanden Abenteuer-, Lustspiel- und Liebesfilme sowie Filme nach Werken der klassischen Erbes.

Ackermann widerspricht der westdeutschen Sicht, dass in den ostdeutschen Kinos nur Propagandafilme gezeigt werden, die das Publikum nicht sehen will, so dass die DDR deshalb im Austausch Filme aus der BRD zur Unterhaltung des Publikums haben möchte. Von 103 Filmen, die 1954 in den Verleih kommen, stammen 12 aus der UdSSR und 20 aus den anderen sozialistischen Ländern. 17 kamen aus der BRD und 24 aus dem westlichen Ausland.
(ND, 26. März 1955, S. 4)

April 1955

1. April

Die Außenstelle Dresden des DEFA-Studios für populärwissenschaftliche Filme wird unter dem Namen „VEB DEFA-Studio für Trickfilme“ ein juristisch selbständiger Betrieb. Sitz ist Dresden-Gorbitz, Kesselsdorfer Straße 208. Zuvor war dort die Boehner-Film beheimatet (1937–1945), nach 1945 arbeitete im ehemaligen Tanzgasthof „Zum Reichsschmied“ die DEFA-Produktion Sachsen. Hier entstehen Animationsfilme aller Art: Zeichentrick-, Silhouettentrick-, Legetrick- und Handpuppenfilme; mitunter entstehen auch Realfilme. Erster Direktor ist Carl Deutschmann (Drei Monate kommissarisch Rolf Cichon).

Produziert wird in insgesamt acht Produktionsstäben mit den zuvor bereits im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme tätigen Spezialisten und einigen Absolventen der Hallenser Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein. Gebildet werden drei Stäbe für Zeichentrick (Lothar Barke, Katja und Klaus Georgi, Otto Sacher), drei Stäbe für Puppentrick (Johannes Hempel, Herbert K. Schulz, Kurt Weiler), ein Stab für Silhouettenfilm (Bruno J. Böttge) und ein Stab für Handpuppenspiel (Erich Hammer). Auch der Puppenspieler Günter Rätz, sowie der spätere Vater des Ost-Sandmännchens, Gerhard Behrendt, und der Erfinder des West-Sandmännchens Herbert K. Schulz kommen nach Dresden. Sie alle leisten Pionierarbeit.

Schwerpunkt ist die Produktion von Kino-Beiprogrammfilmen für Kinder. 1957 hat das größte Animationsfilmstudio der DDR 156 Beschäftigte. Die „erste Klappe“ im neuen Studio fällt Anfang Februar 1955 für die Politsatire in Puppentrick AUSGANG ERLAUBT von Herbert K. Schulz, eine Persiflage auf die US-amerikanische Besatzung in der BRD (ursprünglicher Titel „Liebe Freunde“). Allerdings wird der Film im November 1955 von der HV Film nicht zugelassen. Neben künstlerischen Gründen in Puppenführung und -gestaltung werden auch ideologische Aspekte geltend gemacht. So wird beispielsweise bemängelt, der Film ließe „falsche Schlußfolgerungen“ zu, „die darauf hinauslaufen können, daß die Soldaten in Zivil die deutsche Bevölkerung nicht belästigen und sich selbst zerfleischen“ (Protokoll der Vorführung vor der HV Film vom 25. November 1955. BArch DR 1-Z). So gelangt kurz vor Weihnachten 1955 als erster Titel des neuen Studios der Handpuppenfilm DAS GESPENST IM DORF von Erich Hammer in die Kinos.
(Anordnung über die Bildung des VEB DEFA-Studios für Trickfilme GBL, Teil II, Nr. 35 vom 2. Juli 1955; Kleine Enzyklopädie Film, Leipzig, 1966, S. 296; Animationsfilm sozialistischer Länder, Berlin, 1978, S. 35-58; Deutsche Filmkunst, 5/1954, S. 17-21, 6/1954, S. 39-40; André Eckardt: Wurzeln. Filmproduktion in Dresden-Gorbitz 1938–1955. In: Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990. Berlin, Dresden 2003, S. 31 ff.)

1.-3. April

Die Jahrestagung des Deutschen Kulturtages in Heidelberg und Schwetzingen steht unter dem Motto „Für die Einheit des deutschen Filmschaffens“ . An der Tagung nehmen 446 Kulturschaffende teil, darunter 125 aus der DDR. Die Beratungen der Sektion Film des Kulturtages fokussieren sich auf die Möglichkeiten deutsch-deutscher Co-Produktionen. Zudem werden Forderungen formuliert, die in das Arbeitsprogramm des Deutschen Kulturtages aufgenommen werden:

  • Unbehinderte Durchführung und Erweiterung des bereits bestehenden Abkommens über Filmaustausch zwischen beiden Teilen Deutschlands auf der Basis der Gegenseitigkeit.
  • Herstellung von Filmen in gemeinsamer Produktion zwischen beiden Teilen Deutschlands im künstlerischen, technischen und wirtschaftlichen Interesse des deutschen Films.
  • Gemeinsame Synchronisation humanistischer und künstlerisch wertvoller Filme des Auslandes für ganz Deutschland.
  • Schutz des deutschen Films gegen eine unangemessene ausländische Konkurrenz. Förderung wertvoller deutscher Filme auf dem Weltmarkt.
  • Förderung wertvoller Kultur- und Lehrfilme.
  • Veranstaltung gesamtdeutscher Filmfestspiele sowie internationaler Filmfestspiele auf gesamtdeutscher Basis. Gemeinsame Beteiligung der deutschen Filmkunst an internationalen Filmfestspielen.

(Deutsche Filmkunst, 3/1955, S. 140-141)

Mai 1955

16.–21. Mai

Das DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme nimmt unter Leitung von Direktor Günter Klein erstmals mit einer Delegation an der Mannheimer Kultur- und Dokumentarfilmwoche teil. Im Programm laufen u.a. die DEFA-Filme VOM ALEX ZUM EISMEER (R: Karl Gass, 1954), SWINEGELS ABENTEUER (R: Jürgen Schweinitz, 1954) und der Scherenschnitt-Film DIE BREMER STADTMUSIKANTEN (R: Bruno J. Böttge, 1954). Die Produktion THAI UND MEO (R: Joachim Hadaschik, 1955) erhält keine Zulassung in der BRD. Im Protokoll des interministeriellen Ausschusses für Ost-West-Filmfragen vom 11. Mai 1955 ist keine Begründung angegeben.
(Filmspiegel, 14/1955, S. 5; Deutsche Filmkunst, 4/1955, S. 158; Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V., Filmzensur WEST-OST. Der interministerielle Ausschuss und die Zensur von DEFA-Filmen in der Bundesrepublik Deutschland , Online-Datenbank, 2018, Abruf 25. Mai 2023)

Juni 1955

29. Juni

Der Heinrich-Greif-Preis 1955 wird verliehen.

  • I. Klasse: An das Kollektiv der DEFA-Wochenschau „Der Augenzeuge“ um Helmut Schneider (Chefredakteur), Rolf Schnabel (stellvertretender Chefredakteur), Charlotte Beck (Schnittmeisterin), Helmut Gerstmann (Kameramann), Heinz Sobiczewski (Sportredakteur) und Fritz Thymm (Tonmeister).
  • II. Klasse: An das Synchron-Kollektiv des bulgarischen Films LIED VOM MENSCHEN (OT: PESEN SA TSCHOWEKA, R: Borislaw Scharaliew, 1952) um Bodo Francke (Synchronregisseur), Wolfgang Krüger (Autor), Günther Simon (Sprecher des Hauptdarstellers) und Brigitte Kirsche (Schnittmeisterin).
  • III. Klasse: Kollektiv des Hochschulfarbfilms MÜCKENLARVE CORETHRA um Max Bruchmüller (Regisseur und Kameramann), Prof. Dr. Manfred Gersch (Fachberater und Leiter des Zoologischen Instituts der Friedrich-Schiller-Universität Jena).

(ND, 30. Juni 1955, S. 4)

Juli 1955

1. Juli

Die Filmbeziehungen zwischen der DDR und der UdSSR werden neu geregelt. Der Leiter der HV Film, Anton Ackermann, und die Bevollmächtigten der Allunions-Film-Vereinigung (Sovexportfilm) B.S. Olichejko und N.D. Ljubaschin vereinbaren vertraglich, dass die UdSSR dem Ministerium für Kultur der DDR die Pachtverträge von 91 Filmtheatern und anderen Objekten übergibt, die unter Leitung von Sovexportfilm standen. Beim Progress Film-Vertrieb GmbH scheidet Sovexport als Gesellschafter aus. Der Progress Film-Vertrieb wird ein volkseigener Betrieb. Erster Leiter ist Willi Linke.
(ND, 2. Juli 1955, S. 1; Günter Jordan: Film in der DDR, Daten - Fakten - Strukturen, Filmmuseum Potsdam, 2. Überarbeitete Fassung 2013, S. 217)

1.–2. Juli

Erste Konferenz über Fragen der „Stacheltier“-Produktion im Club der Filmschaffenden Berlin. Diskutiert wird die künftige Ausrichtung der Reihe. Die Kernfrage lautet, ob die „Stacheltiere“ künftig satirisch oder humoristisch sein sollen. Chefdramaturg Dr. Georg Honigmann plädiert in seinem Referat für die satirische Ausrichtung. Die Leitung des Spielfilmstudios wird aufgefordert, sich mehr für die „Stacheltier“-Produktionen einzusetzen. In den Bereichen Regie, Buch und Schauspiel sollen sich mehr renommierte Filmschaffende in die Reihe einbringen.
(in: Deutsche Filmkunst, 5/1955, S. 220-225)

Filmplakat zu "Das Fräulein von Scuderi"

DAS FRÄULEIN VON SCUDERI

(R: Eugen York, 1955) Grafiker: Bert Heller

29. Juli

Premiere des DEFA-Spielfilms DAS FRÄULEIN VON SCUDERI (R: Eugen York), ein prachtvoll ausgestatteter Kriminalfilm nach E.T.A. Hoffmann mit Henny Porten und Willy A. Kleinau in den Hauptrollen. Anton Ackermann, Leiter der HV Film, vermisst in dem Unterhaltungsfilm jedoch soziale Bezüge und kritisiert einen fragwürdigen Mystizismus.

Es ist Henny Portens zweiter Film bei der DEFA und der letzte ihrer künstlerischen Laufbahn. Ihre Arbeit bei der DEFA wird in der westdeutschen Presse vorwiegend als „Überlaufen“ betrachtet. 1955 kehrt sie in ihren Wohnort Ratzeburg zurück. Vom Hauswirt wird sie exmittiert, ihr Mann verliert seine Arztpraxis. Porten bittet über die Medien erfolglos um Beschäftigung beim Film. Erst kurz vor ihrem Tod wird ihr 1960 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie stirbt kurz darauf im Alter von 70 Jahren in Berlin. 1985 erklärt der Berliner Senat ihr Grab auf dem Kirchhof der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Gemeinde zum Ehrengrab, 1986 wird ihr eine Retrospektive anlässlich der Berliner Filmfestspiele gewidmet.
(Ralf Schenk: Mitten im Kalten Krieg 1950 bis 1960. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 100; F.-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, Band 1, S. 265)

August 1955

In Babelsberg findet die 1. Ökonomische Konferenz des DEFA-Studios für Spielfilme statt. Neben Festlegungen zu regelmäßigen Produktionsberatungen sowie zur Verstärkung des Neuererwesens, und der Verwendung von materialsparenden Werkstoffen werden Vorschläge zum Abbau der übertriebenen Zentralisierung in der Filmproduktion gemacht. Insbesondere Kurt Maetzig setzt sich im Beisein von Anton Ackermann und Hans Rodenberg für die Bildung Künstlerischer Arbeitsgruppen ein.
(Deutsche Filmkunst, 5/1955, S. 233)

18. August

Die Dreharbeiten zur Verfilmung von Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ beginnen unter der Regie von Wolfgang Staudte in Potsdam-Babelsberg.

Die Produktion ist hochkarätig besetzt mit den französischen Stars Simone Signoret als Lagerhure Yvette und Bernard Blier als Feldkoch sowie etablierten deutschen Schauspielern aus Brechts Berliner Ensemble, darunter Helene Weigel als Mutter Courage, Ekkehard Schall als Eilif und Erwin Geschonneck als Feldprediger.

Die Dreharbeiten stehen unter keinem guten Stern: Starke künstlerisch-ästhetische Differenzen zwischen Brecht und Staudte bezüglich der Machart des Films brechen auf. Brecht möchte einen schwarzweißen, von der Ausstattung her eher kargen Film; Staudte einen farbigen, opulenten im neuen CinemaScope-Format. Die Dreharbeiten werden Mitte September 1955 eingestellt. Bis zum Abbruch belaufen sich die Ausgaben für die Produktion auf 1,446 Millionen Mark. Wolfgang Staudte dreht nie wieder für die DEFA.
(Ralf Schenk: Mitten im Kalten Krieg 1950 bis 1960. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 101ff; Werner Hecht: Staudte verfilmt Brecht - Die abgebrochene Mutter Courage und die durchgefallene Dreigroschenoper. In: Jahrbuch DEFA-Stiftung 2003, S. 9ff; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 97ff; Wolfgang Staudte: Mutter Courage und ihre Kinder (unvollendet 1955) In: Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg.): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, Berlin 2. Auflage 2006 S. 100ff; Ralf Schenk: DEFA 1946-1992. 100 Jahre Studio Babelsberg. Filmmuseum Potsdam 2012, S. 129)

September 1955

1. September

Die Fachschule für filmtechnische Berufe in Babelsberg wird gegründet. Bereits 1956 folgt die Umbenennung in „Ingenieurschule für Filmtechnik“. Zunächst exististieren die Fachgruppen Filmschnitt, Wiedergabetechnik, Kopierwerkstechnik und Tontechnik. Die Studierenden absolvieren ein dreijähriges Direktstudium. Erster Direktor ist U. Borkenhagen.
(Anordnung über die Errichtung einer Fachschule für filmtechnische Berufe, GBL Nr. 44/1955; Günter Jordan: Film in der DDR, Daten - Fakten - Strukturen, Filmmuseum Potsdam, 2. Überarbeitete Fassung 2013, S. 286)

6. September

Im Rahmen des Testprogramms des Fernsehens wird als erster Film des Deutschen Fernsehfunks DER VERSCHENKTE LEUTNANT gesendet; ein Film der Arbeitsgruppe Wolfgang Luderer (Regisseur), Hans Müncheberg (Autor) und Heinz Zeise (Szenenbildner).

11.–17. September

Die erste gesamtdeutsche Kultur- und Dokumentarfilmwoche findet in Leipzig statt. Veranstalter sind der Club der Filmschaffenden der DDR und der Rat der Stadt Leipzig. Präsident: Günter Klein, Sekretäre: Wolfgang Kernicke, Hans Wegner.

Etwa 50 namhafte Filmschaffende und -kritiker beteiligen sich an der Filmwoche. Insgesamt werden circa 30 Filme aus westdeutscher und 28 Filme aus ostdeutscher Produktion gezeigt. Die Jury beurteilt die Filme in den Kategorien „Unsere schöne deutsche Heimat“, „Große Kunstwerke“, „Der Film im Dienst der Völkerfreundschaft“, „Wissenschaftliche Filme“ und „Puppen- und Zeichentrickfilme“. Das Leipziger Festival entwickelt sich zum bedeutendsten Filmtreffen der DDR.
(Filmspiegel, 20/1955, S. 4; ND, 23. August 1955, S. 4; ND, 14. September 1955, S. 4; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 103)

Oktober 1955

1. Oktober

Das Staatliche Filmarchiv der DDR wird gegründet. Es hat die Aufgabe, das filmische Archivgut zu verwalten, zu erfassen, zu sichern, zu erschließen und auszuwerten. Als Spezialarchiv untersteht es der HV Film im Ministerium für Kultur. Ein nicht unwichtiger Teil seiner Anfangsarbeit ist die Archivierung des 1954 von der Regierung der UdSSR an die Regierung der DDR übergebenen Teils des beschlagnahmten ehemaligen Reichsfilmarchivs und der Sovexportfilm-Bestände an deutschen Filmen der Produktion bis 1945. Erster Direktor wird Rudolf Bernstein, ab 1958 übernimmt Herbert Volkmann das Amt.
(Günter Jordan: Film in der DDR, Daten - Fakten - Strukturen, Filmmuseum Potsdam, 2. Überarbeitete Fassung 2013, S. 371ff: Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 104)

Der VEB Filmübernahme- und Außenhandelsbetrieb zieht anlässlich seines fünfjährigen Bestehens Bilanz. Seit Gründung sind 139 Filme aus den volksdemokratischen Ländern (dem sozialistischen Ausland) übernommen und 266 Abschlüsse mit diesen Ländern zur Übernahme von DEFA-Filmen abgeschlossen worden. Durch gegenseitige Kulturabkommen mit diesen Ländern ist auch der Filmverleih enger und intensiver geworden. Der Kauf/Verkauf von Filmen aus bzw. an kapitalistische Länder wird angestrebt, erreicht aber nicht die erwartete Anzahl.
(ND, 12. Oktober 1955, S. 4; Deutsche Filmkunst, 2/1955, S. 90-91)

6. Oktober

Der Nationalpreis für Kunst und Literatur 1955 wird verliehen.

  • II. Klasse: An das Filmkollektiv STÄRKER ALS DIE NACHT um Slatan Dudow (Regisseur), Wilhelm Koch-Hooge (Hauptdarsteller) sowie Jeanne und Kurt Stern (Autoren).

(Filmspiegel, 21/1955, S. 2; ND, 8. Oktober 1955, S. 3)

Filmplakat zu "Ernst Thälmann - Führer seiner Klasse"

ERNST THÄLMANN - FÜHRER SEINER KLASSE

(R: Kurt Maetzig, 1955) Grafiker: Bert Heller

7. Oktober

Premiere des DEFA-Spielfilms ERNST THÄLMANN - FÜHRER SEINER KLASSE (R: Kurt Maetzig). Maetzig, in dieser Zeit einer der wichtigen Regisseure der DEFA, dem die Regie der beiden Thälmann-Filme anvertraut wurde, schreibt 1955 an den Hauptdarsteller Günter Simon: „Es ist nicht so, dass wir der Wirklichkeit eine Propaganda gegenüberstellen, sondern im Gegenteil, unser Film ist so realistisch, so sehr Wirklichkeit, dass es in menschlicher Beziehung mehr Wirklichkeit ist als das uns umgebende Leben.“ Nach 1989/90 erklärt Maetzig, dass er wegen der Idealisierung der Gestalt Thälmanns nach stalinistischer Kulturauffassung jedes Mal rote Ohren bekommt, wenn er mit ERNST THÄLMANN - FÜHRER SEINER KLASSE konfrontiert werde. Einen biografischen Film über einen Arbeiterpolitiker gemacht zu haben, der vor den Nazis warnte und von ihnen ermordet wurde, hielt er aber weiterhin für ehrenwert.
(Filmspiegel, 22/1955, S. 3; Deutsche Filmkunst, 6/1955, S. 241-248, 255-256; DEFA-Spielfilme 1946-1964, Filmografie, Hrsg.: Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 63; Kurt Maetzig: Filmarbeit Henschelverlag Berlin 1987, S. 256 Zitierter Auszug In: Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 104; Kurt Maetzig: Ernst Thälmann-Führer seiner Klasse In: Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg.): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, Berlin 2. Auflage 2006 S. 96ff)

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