Ab 1974 arbeitet Rainer Simon an dem historischen Stoff „Kreuzzug der Kinder“, der den fünften Kreuzzug von 1212 und das Ziel, das „Heilige Grab“ in Jerusalem aus den Händen der „Ungläubigen“ zu befreien, in den Mittelpunkt rückt. Die Parallelen zum ideologischen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen liegen auf der Hand. Das Drehbuch entsteht in Zusammenarbeit mit Wolfgang Landgraf. Da das ambitionierte Projekt für die DEFA nur als internationale Koproduktion zu realisieren ist, wird das Vorhaben zum Politikum: Klaus Gysi, ehemaliger Kulturminister und ab November 1979 Staatssekretär für Kirchenfragen, rät zurückhaltend ab, da er es für politisch unklug hält, sich in der gegenwärtigen Epoche mit der katholischen Kirche anzulegen.
(Rainer Simon: Das Filmprojekt „Kreuzzug der Kinder“. In: apropros: Film 2003. Das Jahrbuch der DEFA-Stiftung. Berlin 2003, S. 258ff)
Januar 1980
17. Januar
Im Kino International in Berlin feiert Konrad Wolfs letzter Spielfilm SOLO SUNNY Premiere. Das Werk erzählt von der rebellischen Sängerin Sunny und ihrer Suche nach einem selbstbestimmten Leben – laut Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase die Geschichte einer „für Kompromisse unbegabten Frau“. In der DDR der frühen 1980er-Jahre greift der Film damit ein heikles Thema auf. Sunnys extravagante Kleidung und der englischsprachige Titelsong markieren den Ausbruchsversuch aus dem DDR-Alltag. Verkörpert von einer herausragenden Renate Krößner, entwickelt sich die Figur der Sunny weit über die Leinwand hinaus zum Symbol für individuellen Glücksanspruch und persönliche Freiheit in der DDR.
Auf der Berlinale 1980 erhält Renate Krößner den Silbernen Bären als beste Darstellerin. Aufgrund der beachtlichen Resonanz in der DDR und des Erfolges beim Festival startet SOLO SUNNY in der Bundesrepublik in einem für DEFA-Verhältnisse beispiellosen Umfang. Als Renate Krößner 1985 die DDR verlässt und der hochangesehene Konrad Wolf bereits verstorben ist, reicht die Macht der Hardliner um Joachim Hermann, Sekretär für Agitation im ZK der SED, nicht mehr aus, den Film aus der öffentlichen Wahrnehmung zu tilgen – eine Praxis, die noch einige Jahre zuvor üblich war.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1979, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 29; Film und Fernsehen, 2/1980, S. 4-5; BFF, 39/1990, S. 183-195; Aus Theorie und Praxis des Films, 4/1980, S. 17-34, Aus Theorie und Praxis des Films, Studienmaterial, 9/1981, Teil 2, S. 192-197; Klaus Wischnewski: Träumer und gewöhnliche Leute 1966 bis 1979. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 260; Elke Schieber: Anfang vom Ende oder Kontinuität des Argwohns. 1980 bis 1989. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 269f; Doris Borkmann/Wolfgang Kohlhaase/Alfred Hirschmeier: Solo Sunny. In: Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, Berlin 2. Auflage 2006 S. 354-357; Der Spiegel: Es ist etwas im Gange in der DDR . 6. April 1980, Heft 15)
18. Januar
In Bautzen konstituiert sich die Produktionsgruppe „Sorbischer Film“ (Serbska filmowa skupina – SFS) unter der Leitung von Dr. Toni Bruk. Organisatorisch ist die Gruppe dem DEFA-Studio für Trickfilme Dresden unterstellt.
(Filmspiegel, 5/1980, S. 2, 7/1988, S. 26-27; Film und Fernsehen, 4/1979, S. 19-21; FWB, 2/1980, S. 92-127)
Februar 1980
8. Februar
Der DEFA-Dokumentarfilm TAG FÜR TAG (Regie: Volker Koepp) kommt in die Kinos. Koepp zeichnet darin facettenreich das Porträt der 36-jährigen Schweißerin Karin Reyer, die im Kreisbetrieb für Landtechnik in Schwaan (Mecklenburg) arbeitet. Die Protagonistin erweist sich als gestandene Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt: Temperamentvoll setzt sie sich für die Belange ihrer Brigade sowie für die Jugendlichen eines nahegelegenen Jugendwerkhofs ein. Die Lehrlinge nennen sie respektvoll wie liebevoll „unsere beste Bestie“. Karin Reyer steht mit beiden Beinen im Leben, wirkt abgeklärt und frei von Illusionen.
Ein im Kommentar versteckter Hinweis einer Freundin deutet auf eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft hin. Da die Öffentlichkeit der DDR zu dieser Zeit jedoch noch keine Sensibilität für solche Lebensentwürfe entwickelt hat, bleibt ihr Privatleben – jenseits der Information, dass sie ledig und kinderlos ist – für das Publikum weitgehend intransparent. Bereits 1979 läuft der Film auf der Internationalen Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1979, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 49; Filmspiegel, 25/1979, S. 11; Eduard Schreiber: Zeit der verpassten Möglichkeiten. In: Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam 1996, S. 171)
14. Februar
Premiere des DEFA-Spielfilms SEITENSPRUNG (Regie: Evelyn Schmidt). Die Debütarbeit einer der wenigen Regisseurinnen der DEFA wird 1980 auf der Berlinale im „Internationalen Forum des Jungen Films“ gezeigt. Das Werk findet breite Anerkennung, da es Evelyn Schmidt gelingt, die moralischen Fragestellungen mit großem Gespür und hoher Empfindsamkeit zu inszenieren.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1979, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 28; Filmspiegel, 6/1980, S. 12; Aus Theorie und Praxis des Films, Studienmaterial, 9/1981, Teil 2, S. 328-338; Elke Schieber: Anfang vom Ende oder Kontinuität des Argwohns. 1980 bis 1989. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 265)
24. Februar
Der Schriftsteller und Filmautor Michael Tschesno-Hell (1902–1980) stirbt. In seinem Wirken prägt er die Kulturlandschaft der DDR maßgeblich: Von 1947 bis 1959 leitet er den Verlag Volk und Welt und gehört 1967 zu den Gründungsmitgliedern des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden (VFF) der DDR. Für die DEFA verfasst er ausschließlich Szenarien über bedeutende Arbeiterführer wie Ernst Thälmann und Karl Liebknecht. Zu seinen bekanntesten Werken zählen ERNST THÄLMANN – SOHN SEINER KLASSE (1954), ERNST THÄLMANN – FÜHRER SEINER KLASSE (1955), SOLANGE LEBEN IN MIR IST (1965) sowie TROTZ ALLEDEM! (1971).
(Informationsbulletin der VFF, 1/2 , 1980, S. 15-16; Film A-Z: Taschenbuch der Künste, Berlin, 1984, S. 318)
März 1980
Im Rahmen des Kulturabkommens zwischen beiden Staaten findet in Österreich die erste offizielle DDR-Filmwoche unter dem Titel „Filmland DDR“ statt. Die Eröffnung erfolgt mit dem Spielfilm EINFACH BLUMEN AUFS DACH (R: Roland Oehme). Zum Programm gehören weitere bedeutende DEFA-Produktionen wie DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHERS (R: Egon Günther) und GOYA (R: Konrad Wolf) sowie fünf Kinderfilme des Studios.
(Filmspiegel, 8/1980, S. 2)
5. März
Der DEFA-Spielfilm GLÜCK IM HINTERHAUS unter der Regie von Herrmann Zschoche feiert Premiere. Das Szenarium verfasst Ulrich Plenzdorf, einer der bedeutendsten deutschen Filmautoren, basierend auf Günter de Bruyns Roman „Buridans Esel“; der Stoff liegt bereits seit 1973 zur Verfilmung vor. Mit seismografischem Gespür erzählt der Film eine Ehe-, Liebes- und Moralgeschichte aus Berlin, in der die Protagonisten ihren Anspruch auf individuelles Glück und persönliche Freiheit formulieren. Die sarkastische Bestandsaufnahme verspießerter Auffassungen erregt jedoch den Argwohn der Kulturpolitiker. Erst nach zahlreichen Änderungen, Entschärfungen und selbst nach der offiziellen Abnahme vorgenommenen Schnitten gelangt der Film auf die Leinwand. Trotz der Eingriffe entwickelt sich das Werk zu einem großen Publikumserfolg.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1979, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 22; Filmspiegel, 4/1980, S. 3-7, 7/ 1980, S. 14; Aus Theorie und Praxis des Films, 9/1981,Teil 2, S. 339-351; Klaus Wischnewski: Träumer und gewöhnliche Leute 1966 bis 1979. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 259; Elke Schieber: Anfang vom Ende oder Kontinuität des Argwohns 1980 bis 1989. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 265f; Ralf Schenk: „Für Verschärfungen war ich immer gut“. Skizzen zu Ulrich Plenzdorfs Arbeiten für die DEFA. Und Torsten Musial: Vorwort. Beide in: Ulrich Plenzdorf. Archiv-Blätter 10. Stiftung Archiv der Akademie der Künste 2004; F.-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, S. 322)
14. März
Die Heinrich-Greif-Preise des Jahres 1980 werden vergeben:
- I. Klasse: An das Schöpferkollektiv des DEFA-Spielfilms LACHTAUBEN WEINEN NICHT um Drehbuchautor Dr. Helmut Beierl, Regisseur Ralf Kirsten, Kameramann Jürgen Brauer, Szenenbildner Harry Leupold und Hauptdarsteller Uwe Kockisch für die überzeugende Gestaltung des Entwicklungsprozesses eines Kollektivs von Werktätigen.
- II. Klasse: An das Kollektiv der Chefredaktion „Publizistik“ des Fernsehens der DDR um Wolfgang Stemmler, Axel Kaspar und Dr. Kurt Seehafer für das langjährigere dokumentarische Schaffen auf dem Gebiet der Fernsehpublizistik.
- III. Klasse: An Uwe Belz für seine hervorragenden Beiträge zur Entwicklung heiterer und poesievoller Dokumentarfilme über die Wirklichkeit in der DDR.
- III. Klasse: An Henry Riedel für seine erfolgreiche Arbeit zur Pflege und Popularisierung des Opern- und Konzertrepertoires im Fernsehen der DDR.
(ND, 15. März 1980, S. 4; Filmspiegel, 7/1980, S. 2)
April 1980
24. – 27. April
In Karl-Marx-Stadt findet unter dem Motto „Gute Filme, keine Wegwerfware“ das 1. Nationale Spielfilmfestival der DDR statt. Das Ministerium für Kultur und der VFF der DDR veranstalten das Forum in Zusammenarbeit mit dem Rat des Bezirkes Karl-Marx-Stadt; es soll fortan alle zwei Jahre ausgetragen werden. Das Komitee steht unter dem Präsidium von Prof. Dr. Kurt Maetzig. Den Vorsitz der Fachjury übernimmt der Filmkritiker Horst Knietzsch, während Peter Reichert, Lehrmeister im Interhotel „Kongreß“, der Publikumsjury vorsteht.
Das Festival eröffnet mit der Premiere von Iris Gusners Film ALLE MEINE MÄDCHEN. Im Wettbewerb zeichnet die Fachjury sowohl SOLO SUNNY von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase als auch P.S. von Roland Gräf und Helga Schütz mit dem Regiepreis aus. Der Spezialpreis geht an Herrmann Zschoche und Christa Kozik für SIEBEN SOMMERSPROSSEN. Die Publikumsjury kürt derweil Erwin Strankas SABINE WULFF zum wirkungsvollsten Film.
(Informationsbulletin der VFF, 3/1980, S. 3-9; Film und Fernsehen, 6/1980,S. 2, 10/1980, S. 3, 4-7; Filmspiegel, 6/1980, S. 6-7, 10/1980, S. 2, 12/1980, S. 3-5, 6-9, 14/1980, S. 12-13; Sonntag, Berlin, 19/1980, S. 5; Filmklub-Mitteilungen, 1/1981, S. 1; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 207; Philip Zengel: DEFA-Filme in Karl-Marx-Stadt. Eine Rückschau auf das 1. Nationale Spielfilmfestival der DDR vor 45 Jahren. In: Leuchtkraft. Das Journal der DEFA-Stiftung, 8/2025, S. 46-54)
24. April
In der Stadthalle von Karl-Marx-Stadt feiert im Rahmen des 1. Nationalen Spielfilmfestivals der DEFA-Spielfilm ALLE MEINE MÄDCHEN seine festliche Premiere (Regie: Iris Gusner, Szenarium: Gabriele Kotte). Der turbulente und zugleich realistische Film erzählt in Episoden von fünf Frauen einer Brigade im Berliner Narva-Glühlampenwerk und zeichnet die Protagonistinnen als liebenswerte, empathische und souveräne Charaktere. Dabei spart die Inszenierung auch Themen wie Opportunismus und Alkoholprobleme nicht aus, die im Kino der DDR ansonsten kaum Raum finden. Nach Bärbl Bergmann und Ingrid Reschke ist Iris Gusner die dritte Frau auf dem Spielfilm-Regiestuhl in Babelsberg. Ihr vierter Spielfilm gilt als ihr bislang überzeugendster Talentbeweis.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1979, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 15; Filmspiegel, 8/1980, S. 3-6, 11/1980, S. 20; Kino DDR, 6/1987, S. 5-6; Aus Theorie der Praxis des Films, Studienmaterial, 9/1981,Teil 2, S. 352-365; Klaus Wischnewski: Träumer und gewöhnliche Leute 1966 bis 1979. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 260; Elke Schieber: Anfang vom Ende oder Kontinuität des Argwohns 1980 bis 1989. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 265; Iris Gusner: Alle meine Mädchen. In: Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, Berlin 2. Auflage 2006, S. 357ff)
28. April
Der Regisseur Frank Beyer wird nach dreißigjähriger Parteizugehörigkeit und trotz seiner großen Verdienste um die DDR-Filmkunst aus der Mitgliederliste der SED gestrichen. Da er nach dem Verbot von SPUR DER STEINE und seinem Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung jahrelang keine Regieaufträge mehr erhält, aber weiterhin sein Gehalt bezieht, weicht er ab 1980 für Dreharbeiten in die Bundesrepublik aus. Dort entsteht unter anderem 1981 der Fernsehfilm DER KÖNIG UND SEIN NARR nach einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf. Erst Jahre später werden Beyer in der DDR wieder eigene Projekte angeboten, wobei die Filmführung Gegenwartsthemen weiterhin ausschließt.
(Frank Beyer: Wenn der Wind sich dreht. Meine Filme. Mein Leben. Econ Verlag München 2001. S. 214-279; Frank Beyer: Geschlossene Gesellschaft. In: Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hrsg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, Berlin 2. Auflage 2006, S. 327-329)
Mai 1980
23. Mai
Der DEFA-Dokumentarfilm BERLIN – AUGUSTSTRASSE (Regie: Günter Jordan) kommt in die Kinos. Die Berliner Auguststraße galt bis zum Zweiten Weltkrieg – wie das benachbarte Scheunenviertel – als Inbegriff prekärer Wohnverhältnisse, Armut und Kriminalität. Jordan zeigt ohne ideologische Agitation den Wandel des Quartiers: Kinder aus der noch immer einfachen Arbeitergegend sollen ihren Weg finden. Unterstützung erhalten sie durch einen engagierten Lehrer, der seine Schüler zum konstruktiven Streit auffordert, ihnen aber zugleich Disziplin, Pflichterfüllung und Verantwortung abverlangt.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1979, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 48; FWB, 4/1981, S. 39-40; Eduard Schreiber: Zeit der verpassten Möglichkeiten. In: Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam 1996, S. 169; Elke Schieber: Im Dämmerlicht der Perestroika. 1980 bis 1989. In: Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam 1996, S. 182)
Juni 1980
Alfred Lindemann stirbt im Alter von 79 Jahren. Als Mitbegründer, Lizenzträger, Gesellschafter und erster Generaldirektor prägte er die Gründungsphase der DEFA maßgeblich.
Der 1902 geborene Gewerkschafter und Kommunist stieß nach Krieg und Haft im November 1945 zum Filmaktiv. Bereits seit 1916 war er ununterbrochen beim Film tätig, unter anderem als Kameramann und Aufnahmeleiter; während der NS-Zeit, in der er mehrfach inhaftiert wurde, arbeitete er als Beleuchter. Bei der DEFA wirkt er nur zweieinhalb Jahre, die jedoch für den Aufbau des Unternehmens entscheidend sind. In der Mangelwirtschaft der Nachkriegszeit gelingt Lindemann der Spagat zwischen dem schnellen Aufbau einer Produktion und einer ordnungsgemäßen Buchführung nicht. Wegen erheblicher Fehlbeträge, Verstößen gegen das Außenhandelsmonopol der Sovexport und unkonventioneller Praktiken – wie der Verteilung von Lebensmitteln und Sachwerten an die Belegschaft sowie Schwarzmarktkäufen – wird er im März 1948 entlassen.
In einem Brief an Wilhelm Pieck rekapituliert Lindemann seine Aufbauleistung: „Obwohl wir bis Oktober 1946 weder Kapital noch Kredite […] erhalten konnten, brachten wir es fertig, 5 Spielfilme, 35 Wochenschauen, 59 Wahlfilme für die Partei, 4 große Propagandafilme, wie 1. MAI, 1. GEWERKSCHAFTSKONGRESS, BERLIN IM AUFBAU, EINHEITSFILM fertig zu stellen. […] Ich hatte drei Aufgaben zu erfüllen: 1. zu beweisen, daß die DEFA […] eine wirklich ernstzunehmende Gesellschaft sei […]; 2. bekannte Schauspieler und Regisseure mit allen Mitteln, auch denen der Korruption, für die DEFA zu gewinnen; 3. die Furcht der größten Anzahl der Fachkräfte vor einem von Moskau beeinflußten Unternehmen zu beseitigen und die DEFA als eine unabhängige deutsche Gesellschaft hinzustellen.“ Lindemann bestreitet eine persönliche Bereicherung und bittet um eine Rechtfertigungsmöglichkeit, die ihm die Parteiführung jedoch verweigert. Am 27. September 1948 schließt das ZK der SED Lindemann ohne das statutenmäßige Verfahren aus der Partei aus. Dieser Akt markiert beispielhaft den Übergang der SED zur Kaderpartei stalinistischen Zuschnitts.
Nachdem die SED-Führung auch gegen seine Tätigkeit beim Verlag „Kultur und Fortschritt“ Einspruch erhebt, hält sich Lindemann bis 1953 mit Gelegenheitsarbeiten im Kulturbereich über Wasser. 1954 siedelt er nach Westberlin über, um sich dort eine neue Existenz als Filmkaufmann aufzubauen; seine Familie folgt ihm erst 1974. In Westberlin wird er als politisch Verfolgter anerkannt. Bis zu seinem Tod engagiert er sich im Theresienstadt-Komitee, verfolgt die Entwicklung der DEFA aus der Ferne und wartet vergeblich auf seine politische Rehabilitierung.
(Filmspiegel, 15/1980, S. 2; Alfred Lindemann: Zur Lage und Entwicklung der deutschen Filmindustrie.16. Juni 1949. In. apropos: Film. Jahrbuch der DEFA-Stiftung 2000, S. 195-199; Wolfgang Schivelbusch: Vor dem Vorhang. München 1995; S. 206-214; Ralf Schenk: Es ging nicht um Kunst. In: Berliner Zeitung 17. Mai 2006, Abruf: 30. Oktober 2024; Günter Jordan: Die Fabrik oder Der Fall Alfred Lindemann In. apropos: Film. Jahrbuch der DEFA-Stiftung 2000, S. 165-194)
8. Juni
Der Schauspieler und Sänger Ernst Busch stirbt im Alter von 80 Jahren. Sein Debüt im Spielfilm gibt er 1931 in Pabsts DIE DREIGROSCHENOPER, gefolgt von Slatan Dudows KUHLE WAMPE (1932) sowie Gustav von Wangenheims KÄMPFER (1935). Mit seiner metallischen, kraftvoll-einzigartigen Stimme avanciert er ab den 1920er-Jahren zum prägenden Sänger der deutschen Arbeiterbewegung. Sein Name bleibt untrennbar mit politischen Werken wie dem „Solidaritätslied“, dem „Lied der Moorsoldaten“ und den Liedern der Internationalen Brigaden aus dem Spanischen Bürgerkrieg verbunden.
Nach seiner Emigration im Jahr 1933 erfolgt 1936 die Ausbürgerung. Später an der belgischen Grenze aufgegriffen, bleibt Busch bis zum Ende der NS-Diktatur wegen Hochverrats im Zuchthaus Brandenburg inhaftiert. Trotz grundsätzlicher Übereinstimmung mit den Zielen des sozialistischen Staates – etwa bei der Befürwortung der staatlichen Maßnahmen am 17. Juni 1953 – bewahrt er sich seine Souveränität gegenüber der SED und beugt sich weder der Parteidisziplin noch bürokratischen Zwängen.
Dies führt 1950 zum Konflikt mit dem Zentralrat der FDJ und 1952 mit der Zentralen Kontrollkommission der SED. In der Folge wird Busch aus der Partei ausgeschlossen und 1953 als Leiter des Musikverlages „Lied der Zeit“ abgesetzt, dessen Lizenz die SMAD ursprünglich auf seinen Namen ausgestellt hatte. Zeitweise stehen auch seine Lieder auf dem Index. Erst Anfang der 1970er-Jahre gelingt es Franz Dahlem, den Konflikt mit der Parteiführung beizulegen.
Gezeichnet von einer schweren Kopfverletzung infolge eines Bombenangriffs, konzentriert sich Busch künstlerisch vorrangig auf das Theater und übernimmt tragende Rollen in Stücken Bertolt Brechts am Berliner Ensemble. Im DEFA-Spielfilm ist er 1960 als Koch in MUTTER COURAGE UND IHRE KINDER sowie 1971 in Konrad Wolfs GOYA zu sehen. Zudem prägen seine Lieder zahlreiche Dokumentationen. Karl Gass widmet ihm 1967 ein filmisches Porträt; 1981 realisiert Konrad Wolf mit der GRUPPE 67 eine sechsteilige Chronik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Buschs Biografie und sein musikalisches Werk ins Zentrum stellt. Im selben Jahr erhält die Hochschule für Schauspielkunst in Berlin-Schöneweide seinen Namen.
(ND, 10. Juni 1980, S. 4; Karl Gass: Vorwärts die Zeit, Dokumentarfilm, 1967; Peter Voigt: ich bin Ernst Busch. MDR, Dokumentarfilm, 2000; Busch singt. Konrad Wolfs letzter Film. Die DEFA-Kinofassung auf DVD. Mit Material zum Projekt. Edition bodoni 2024)
26. Juni
Uraufführung des DEFA-Spielfilms UND NÄCHSTES JAHR AM BALATON (R: Herrmann Zschoche). Das lockere Roadmovie, das die Konfrontationen mit unüberwindlichen Grenzen ironisch auflöst, zieht besonders jugendliches Publikum in die Kinos. Der Film leitet den Filmsommer ein und avanciert in den folgenden Jahren auch im Fernsehprogramm zum Publikumsliebling.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1980, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 25; Filmspiegel, 15/1980, S. 12; Podium und Werkstatt der VFF, 12/1982, S. 142-153; Aus Theorie und Praxis des Films, Studienmaterial, 9/1981, Teil 2, S. 373-381; Elke Schieber: Anfang vom Ende oder Kontinuität des Argwohns. 1980 bis 1989. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 265, 290)
Juli 1980
4. Juli
Angelica Domröse, eine der populärsten Schauspielerinnen der DDR, absolviert ihre letzte Theatervorstellung und verlässt wenige Tage später gemeinsam mit ihrem Mann Hilmar Thate das Land. Zusammen mit Thate gehört sie zu jener Gruppe von Künstlern, die als Folge ihres Protests gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns im Jahr 1976 die DDR dauerhaft verlassen. Ihre bekannteste Rolle verkörperte sie in DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA (1972). Unter der Regie von Heiner Carow spielte sie zudem in BIS DASS DER TOD EUCH SCHEIDET (1978) sowie in weiteren Produktionen, die sich mit problematischen Beziehungsgefügen im sozialistischen Alltag auseinandersetzen. In der Bundesrepublik ist sie fortan vor allem am Theater tätig. Ihre ersten Fernsehrollen erhält sie durch ebenfalls aus der DDR emigrierte Filmkünstler wie Egon Günther und Frank Beyer.
(Angelica Domröse: Ich fang mich selbst ein, Mein Leben. Bergisch Gladbach 2003, S. 258f, 267)
August 1980
29. August
Als Beitrag zum Weltfriedenstag läuft der Dokumentarfilm VERBRENNT NICHT UNSERE ERDE (R: Gitta Nickel) in den Kinos an. Die Regisseurin und ihr Kameramann spüren den Spätfolgen der Atombombenabwürfe in der heutigen Generation nach. Sie dokumentieren das gegenwärtige Hiroshima und porträtieren sieben Schicksale von Menschen, die noch immer unter den Folgen der Strahlung leiden. Auf der 23. Internationalen Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche für Kino und Fernsehen wird der Film mit dem Preis der Internationalen Organisation der Journalisten ausgezeichnet.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1980, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 57; Filmspiegel, 15/1980, S. 23-25; ND, 2. September 1980, S. 4)
31. August – 4. September
Filmschaffende aus neun sozialistischen Ländern kommen in Weimar zum Internationalen Kolloquium „Antifaschismus und Film – Geschichte, Gegenwart, Aufgabe“ des VFF der DDR zusammen. Im Mittelpunkt der Debatten steht die Frage, wie eine gesteigerte künstlerische Wirksamkeit erzielt werden kann und welche ästhetischen Mittel sich eignen, um antifaschistische Botschaften zu vermitteln. Über den Konferenzrahmen hinaus werden in zahlreichen Orten der DDR ältere und neuere Filme dieser Thematik öffentlich zur Diskussion gestellt.
(Informationsbulletin der VFF, 4/1980, S. 3-16; Film und Fernsehen, 5/1980, S. 4-9, 9/1980, S. 2, 4/1981, S. 25-40; Filmspiegel, 10/1980, S. 8-11; ND, 2. September 1980, S. 1, 8. September 1980, S. 4)
September 1980
2. September
Uraufführung des DEFA-Spielfilms DIE VERLOBTE (Koproduktion: DEFA/Fernsehen der DDR/F). Regie führen Günther Rücker und Günter Reisch. DIE VERLOBTE adaptiert die autobiografischen Aufzeichnungen Lippolds („Haus der schweren Tore“) über ihre Zeit im Zuchthaus während der nationalsozialistischen Diktatur. Unter unmenschlichen Bedingungen wird eine tiefe Liebe zum entscheidenden Kraftquell für Widerstand und Überleben. Dank der humanistischen Kraft der Erzählung und der eindringlichen Darstellung durch Jutta Wachowiak avanciert DIE VERLOBTE zu einem der bedeutendsten Erfolge der DEFA im Bereich der antifaschistischen Thematik. Der Film wird 1980 mit dem Grand Prix der Internationalen Filmfestspiele in Karlovy Vary sowie zahlreichen weiteren nationalen und internationalen Preisen geehrt.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1980, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 26; Filmspiegel, 14/1980, S. 3-7, 20/1980, S. 14, 6/ 1986, S. 24-25; Podium und Werkstatt der VFF, 12/1982, S. 58-75; Kino DDR, 9/1987, S. 5-6; Klaus Wischnewski: Träumer und gewöhnliche Leute 1966 bis 1979 In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 261; Elke Schieber: Anfang vom Ende oder Kontinuität des Argwohns. 1980 bis 1989. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 274; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 207f; Günther Rücker/Karl-Ernst Sasse/Jutta Wachowiak: Die Verlobte. In: Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, Berlin 2. Auflage 2006 S. 359-362; F.-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, S. 996ff)
20. September
In Phnom Penh (VR Kampuchea) findet die Weltpremiere des Dokumentarfilms KAMPUCHEA – STERBEN UND AUFERSTEHN (Regie: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann) statt. Der Film thematisiert die Schreckensherrschaft der Roten Khmer, die 1975 das Militärregime stürzten; ihrer vierjährigen Gewaltherrschaft fielen rund 1,7 Millionen Menschen zum Opfer. Heynowski & Scheumann interviewen für ihr Werk überlebende Opfer, Täter sowie Menschen, die dem Terror entfliehen konnten. KAMPUCHEA – STERBEN UND AUFERSTEHN wird in der Folge mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1980, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 116; Filmspiegel, 20/1980, S.28-30, 21/1980,S. 2, 4/1981, S. 28-29)
25. September
Im Rahmen der 8. Tage des sozialistischen Films in der DDR erlebt die DEFA-Komödie DACH ÜBERM KOPF (R: Ulrich Thein) im Geraer „Panoramapalast“ ihre Uraufführung. Themen wie Wohnungsnot, Materialmangel und die Schwierigkeit, Handwerker zu finden, spiegeln den Alltag vieler Bürgerinnen und Bürger der DDR wider. Dass die Inszenierung dabei reale Härten humoristisch abmildert, tut dem Erfolg beim Publikum keinen Abbruch.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1980, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 17; Filmspiegel, 7/1980, S. 3-7, 22/ 1980, S. 12; Podium und Werkstatt der VFF, 12/1982, S. 154-164; Kino DDR, 7/1989, S. 5-6; Aus Theorie und Praxis des Films, Studienmaterial, 9/1981, Teil 2, S. 395-404)
Oktober 1980
1. Oktober
Prof. Dr. Konrad Schwalbe wird erneut zum Rektor der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR berufen (Amtszeit: 1980 bis 1986). Er folgt auf Prof. Peter Ulbrich, der das Amt seit 1973 innehatte. Ulbrich übernimmt fortan die Funktion des 1. Sekretärs des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden (VFF) der DDR.
(Film und Fernsehen, 8/1981, S. 10-12; ND, 30. Oktober 1980, S. 4; Günter Jordan: Film in der DDR, Daten - Fakten - Strukturen, Filmmuseum Potsdam, 2. überarbeitete Fassung 2013, S. 247, 275)
6. Oktober
Die Nationalpreise für Kunst und Literatur der DDR des Jahres 1980 werden vergeben.
- I. Klasse: An das Kollektiv des Studios H&S um Peter Hellmich, Walter Heynowski und Gerhard Scheumann.
- I. Klasse: An das Team des Films DIE VERLOBTE um Kameramann Jürgen Brauer, Autorin Eva Lippold, die Regisseure Günter Reisch und Günther Rücker sowie Hauptdarstellerin Jutta Wachowiak.
(ND, 8. Oktober 1980, S. 4)
23. – 30. Oktober
In Saarbrücken, Duisburg und Bremen findet eine offizielle „Filmwoche der DDR in der BRD“ statt. Es handelt sich um die erste auf staatlicher Ebene vereinbarte Veranstaltung dieser Art. An der Eröffnung nehmen für die DDR der Leiter der Ständigen Vertretung, Ewald Moldt, sowie für die BRD Staatssekretär Siegfried Fröhlich und der Saarbrücker Oberbürgermeister Oskar Lafontaine teil. Gezeigt werden die DEFA-Filme DIE VERLOBTE (R: Günther Rücker, Günter Reisch), SOLO SUNNY (R: Konrad Wolf), P.S. (R: Roland Gräf), ALLE MEINE MÄDCHEN (R: Iris Gusner), BIS DASS DER TOD EUCH SCHEIDET (R: Heiner Carow), ANTON DER ZAUBERER (R: Günter Reisch) sowie ADDIO, PICCOLA MIA (R: Lothar Warnecke).
Spiegelbildlich dazu findet bereits eine Woche zuvor eine BRD-Filmwoche in Dresden, Frankfurt (Oder) und Potsdam statt. Zum Programm gehören unter anderem DIE EHE DER MARIA BRAUN (R: Rainer Werner Fassbinder), DAVID (R: Peter Lilienthal) und LINA BRAAKE (R: Bernhard Sinkel). Beide Filmwochen werden hochkarätig durch FIlmschaffende begleitet, darunter Margarethe von Trotta, Heiner Carow und Jutta Wachowiak.
(Filmspiegel, 23/1980, S. 2; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 209)
November 1980
13. November
Der DEFA-Spielfilm LEVINS MÜHLE (R: Horst Seemann) feiert seine Premiere. Die Verfilmung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Johannes Borbrowski und thematisiert die gesellschaftlichen Konflikte im Westpreußen des 19. Jahrhunderts. Seemann inszeniert das Werk als Epos über den jüdischen Mühlenbesitzer Levin, der am rücksichtslosen Konkurrenzkampf und dem aufkommenden Antisemitismus scheitert.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1980, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 18; Filmspiegel, 25/1980, S. 14; Film und Fernsehen, 1/1981, S. 26-28; Podium und Werkstatt des VFF, 12/1982, S. 14-25)
Dezember 1980
19. Dezember
Die letzte Ausgabe der DEFA-Wochenschau DER AUGENZEUGE kommt mit einer Länge von zehn Minuten und in einer massiven Auflage von 600 Kopien in die Kinos der DDR. In seinem „Nachruf auf den Augenzeugen“ warnt der Filmwissenschaftler Rolf Richter vor dem Verlust des kollektiven Gedächtnisses: „[…] Wer sorgt dafür, dass unsere Kinder in fünfunddreißig Jahren diese wichtigen Erinnerungen haben, die uns bei der Begegnung mit den ersten ‚Augenzeugen‘ so berührten? […] Wir brauchen unser filmisches Notizbuch der Geschichte. Wir dürfen uns auch in dieser Hinsicht nicht aus den Augen verlieren.“
(Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 209)
30. Dezember
An die Stelle des „Augenzeugen“ tritt die „Kinobox“: Ein monatlich erscheinendes Unterhaltungsmagazin der DEFA, das in zwölf Ausgaben jährlich produziert und mit Kurzfilmen zu verschiedensten Themen kombiniert wird.
(BFF, 4/1985, S. 64-65; Filmspiegel, 4/1976, S. 4, 5/1987, S. 24-25; Sonntag, Berlin, 20/1981, S. 5; DEFA-Betriebsgeschichte 1981, Teil 1, S. 45-46; Kleine Enzyklopädie Film, Leipzig, 1966, S. 307; Podium und Werkstatt des VFF, 24/1987)