Filmstill zu "Mein lieber Robinson"

DEFA-Chronik für das Jahr 1954

 

Heinz Kersten, bundesdeutscher Filmkritiker und Autor, schreibt über die Wochenschau und die Dokumentarfilmproduktion der DEFA: „Für den Augenzeugen endet die Welt am Eisernen Vorhang, und er darf wohl für sich in Anspruch nehmen, die langweiligste aller Wochenschauen zu sein.“ Weiter heißt es: DEFA-Dokumentarfilme „beleuchten jeweils ein Gebiet des ‚neuen Lebens in der DDR’, fangen Bilder von kommunistischen Kongressen mit der Kamera ein oder nützen sportliche Sujets für politische Propaganda.“
(Heinz Kersten: Das Filmwesen in der sowjetischen Besatzungszone. Bonn 1954, S. 56ff. In: Jeanpaul Goergen: Chronik des deutschen Dokumentarfilms 1945-2005. 2018. Abruf 5. Februar 2024)

Januar 1954

1. Januar

In Folge des politischen „Neuen Kurses“ beschließt das Zentralkomitee der SED am 25. November 1953 die Herausgabe einer neuen deutschen Filmillustrierten als Massenblatt, die die bisherige Neue Filmwelt ersetzt. Herausgegeben wird die Zeitschrift FILMSPIEGEL ab Januar 1954 im Henschelverlag. Sie erscheint zweimal monatlich und kostet anfangs 0,40 Mark, später 0,70 Mark. Die Auflage liegt bei circa 300.000 Exemplaren. Der FILMSPIEGEL erscheint bis 1991.
(Filmspiegel, 1/1979, S. 2, 4/1979, S. 2-3; Günter Jordan: Film in der DDR, Daten - Fakten - Strukturen, Filmmuseum Potsdam, 2. Überarbeitete Fassung 2013, S. 341)

7. Januar

Das Ministerium für Kultur der DDR wird gegründet und Johannes R. Becher erster Kulturminister. Das ehemalige Staatliche Komitee für Filmwesen wird als „Hauptverwaltung Film“ dem Minister unterstellt und Anton Ackermann zum Leiter berufen. Die HV Film mit zunächst 81, dann 79 festen Stellen ist staatliche Leit- und Kontrollbehörde für alle DEFA-Betriebe.
(Verordnung über die Bildung eines Ministeriums für Kultur der Deutschen Demokratischen Republik v. 7. Januar 1954; Sonntag, 2/1954, S. 1, 5; ND, 15. Januar 1954; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 88; Günter Jordan: Film in der DDR, Daten - Fakten - Strukturen, Filmmuseum Potsdam, 2. Überarbeitete Fassung 2013, S. 66)

Februar 1954

15. Februar

Der „Neue Kurs“, der nach Stalins Tod auf der 15. Tagung des ZK der SED am 9. Juni 1953 beschlossen wurde, gibt eine sozial verträglichere Richtung und den Wunsch nach weniger Reibung zwischen den staatlichen Organen und den „einfachen Leuten“ vor. Die DEFA um Hauptdirektor Hans Rodenberg, Besetzungschef Erwin Reiche, Regisseur Martin Hellberg und andere nutzen den neuen Spielraum und kritisieren vehement die Bürokratie und künstlerische Einmischung der Filmkommission/HV Film.

Auf einer Sitzung der Sektion Darstellende Kunst der Akademie der Künste äußert Kurt Maetzig „Zehn Thesen zum Neuen Kurs in der Filmkunst“. Darin heißt es unter anderem:

  • (1) Der Neue Kurs bedeutet die Bemühung um realistische große Kunst in all ihrer Vielseitigkeit, getragen von humanistischen Ideen.
  • (2) Unsere Filmkunst muss in Bezug auf Thematik und Genres eine viel reichere Palette zeigen als bisher. Ausgeschlossen sollten nur Filme sein, die gegen die nationale Einheit oder gegen den Frieden gerichtet sind oder ein verzerrtes verlogenes Bild der Wirklichkeit bieten.
  • (3) Die Zahl unserer Filme ist absolut unzureichend… Nachwuchs eine der Hauptaufgaben im Neuen Kurs. Aus dem gleichen Grunde ist die Heranziehung fortschrittlicher Filmkünstler aus Westdeutschland und die Gemeinschaftsproduktion mit westdeutschen, französischen und italienischen Filmschaffenden aus der Phase der Deklaration in die der Tat vorzurücken. (…)
  • (5) Die Wirkung eines Kunstwerkes wird nicht von der rationalen Seite allein bestimmt. Das Bedürfnis unserer Zuschauer nach starken Emotionen muss von unseren Filmen stärker als bisher befriedigt werden. Lachen und Weinen muss wieder in unsere Filmtheater einkehren.
  • (6) Filme, die unsere Gegenwart widerspiegeln, sind die wichtigsten Etappen in der Fortentwicklung unserer Filmkunst. Sie verdienen jede denkbare Förderung und eine besonders qualifizierte öffentliche Kritik. Künstler, die sich dieses schwersten Genres der Filmkunst annehmen, dürfen nicht wie bisher durch kaltschnäuzige Verrisse entmutigt werden. (…)
  • (8) Ungehinderte freie Auseinandersetzung in Fragen der Kunst ist notwendig. Sie ist nützlich, wenn dadurch mehr und bessere Filme geschaffen werden. Sie ist schädlich, wenn sie zu einem Totreden der Projekte ausartet. (…)

(Kurt Maetzig: Filmarbeit Henschelverlag Berlin 1987, S. 249f - Zitierter Auszug in: Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 88f; Ralf Schenk: Mitten im Kalten Krieg 1950 bis 1960. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 83)

März 1954

Filmplakat zu "Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse"

ERNST THÄLMANN - SOHN SEINER KLASSE

(R: Kurt Maetzig, 1954) Grafiker: Bert Heller

9. März

Premiere des DEFA-Spielfilms ERNST THÄLMANN - SOHN SEINER KLASSE, der unter der Regie von Kurt Maetzig entstand.

Auf Grundlage der 1949 erschienenen Thälmann-Biografie von Willi Bredel produziert die DEFA ab 1949 im Auftrag der SED zwei Filme über den 1944 von den Nazis ermordeten Führer der kommunistischen Partei. Als ästhetische Vorbilder jener Zeit dienen pathetische sowjetische Filme der 1940er-Jahre. Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck sind persönlich in das Projekt involviert. Die Vorschläge des Regisseurs, dem Helden individuelle und lebendigere Züge zu verleihen, bleiben ungehört. Die Person Thälmanns wird heroisiert. An die tatsächlichen historischen Fakten halten sich die Filme nur bedingt. Der SED geht es um die Schaffung von Vorbildern und um eine Legitimierung ihrer Führungsrolle. Die Ziele ihrer Politik werden bebildert: die führende Rolle der Kommunisten, die Freundschaft zur Sowjetunion, die internationale Solidarität der Arbeiterklasse, die verräterische Rolle der SPD-Führung, die Zusammenarbeit des US-amerikanischen Monopolkapitals mit der deutschen Schwerindustrie und später den Nationalsozialisten.

Die Filme werden aufwendig in Farbe und mit Stereoton gedreht. Davon verspricht sich die DEFA eine besondere propagandistische Wirkung. Mit Hilfe der unter Otto Scherbarth gebauten Stereo-Lichtton-Kamera gelingt es erstmals, eine komplette kombinierte Stereolichtton-Kopie herzustellen.

Die Thälmann-Filme werden Pflichtveranstaltungen für Schulklassen und Arbeitskollektive. Bei Millionen Zuschauern prägt sich die Thälmann-Figur im Bewusstsein ein und damit ein Gefühl, jetzt auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.
(Deutsche Filmkunst, 1/1954, S. 13-16, 2/1954, S. 22-29, 3/1954, S. 4-10; DEFA–Pressedienst, 1/1954; ND vom 12. März 1954; DEFA-Spielfilme 1946-1964, Filmografie, Hrsg.: Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 50; Ralf Schenk: Mitten im Kalten Krieg 1950 bis 1960. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 104ff; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 94f; Ralf Schenk: DEFA 1946-1992. 100 Jahre Studio Babelsberg. Filmmuseum Potsdam 2012, S. 129; F.-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, Band 1, S. 216ff)

24. März

Das Ministerium für Kultur veröffentlicht eine Programmerklärung „Zur Verteidigung der Einheit der deutschen Kultur“. Zu dieser Zeit hat die DEFA ihre Zusammenarbeit mit westdeutschen Kunstschaffenden längst intensiviert. Mit dem West-Berliner Filmkaufmann Erich Mehl laufen Verhandlungen, unter anderem über eine Co-Produktion für ein neues Projekt von Wolfgang Staudte. Auch Verhandlungen mit Werner Fuetter vom Verband Deutscher Filmdarsteller zeigen hoffnungsvolle Zwischenergebnisse. Artur Brauner, Chef der West-Berliner CCC-Film, Luggi Waldleitner von Roxy-Film und Walter Koppel von der Real-Film Hamburg sind Co-Produktionen gegenüber aufgeschlossen. Dem entgegen stehen die Bundesregierung und große Teile der westdeutschen Presse, die eine Zusammenarbeit mit dem Osten ablehnen. Als politisches Druckmittel dienen auch die Filmbürgschaften, Finanzierungshilfen der Bundesregierung.
(Ralf Schenk: Mitten im Kalten Krieg 1950 bis 1960. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 90; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 88f; ND, vom 25. März 1954; Deutsche Filmkunst, 6/1954, S. 1-6)

April 1954

30. April

Die Regierung der UdSSR übergibt der DDR das von „Sovexportfilm“ in Deutschland verwaltete ehemalige „Reichsfilmarchiv“. Das Archiv umfasst über 10.000 Spielfilme, ca. 7.000 Wochenschauen, Trick-, Schmal- und Kurzfilme, sowie 8.000 Filmausschnitte. Von sowjetischer und deutscher Seite werden technische Kommissionen benannt, die die Übergabe vornehmen. Zusammen mit dem Filmarchiv werden die Lagerhäuser in Babelsberg, über die bisher Sovexportfilm verfügte, übergeben.
(ND vom 1. Mai 1954; Deutsche Filmkunst, 3/1954, S. 46)

Juni 1954

Filmplakat zu "Ludwig van Beethoven"

LUDWIG VAN BEETHOVEN

(R: Max Jaap, 1954) Grafiker: Werner Klemke

1. Juni

Premiere des abendfüllenden Dokumentarfilms über Leben und Werk des Komponisten LUDWIG VAN BEETHOVEN (R: Max Jaap).

Der Dichter Stephan Hermlin entwirft den Film aus dem Material authentischen Geschehens: Dokumente, Briefe, Tagebücher, Notenbücher… Musikalisch wird auf eine Vielzahl von Werkausschnitten zurückgegriffen. Im Ergebnis dieser Bemühungen entsteht ein Film, der sich Beethoven nicht nach dem politischen Tagesbedarf „zurechtschnitzt“, sondern versucht, ihm gerecht zu werden. Allein beim Schluss setzt platte Agitation ein: Zum Schlusschor aus der Neunten Sinfonie setzt eine Bildmontage von den Berliner Weltfestspielen ein.

Max Jaap (Regie), Eberhard Rebling (musikalische Beratung) und Stephan Hermlin (Autor und Berater des Regisseurs) werden 1954 für LUDWIG VAN BEETHOVEN mit dem Nationalpreis geehrt.
(Filmspiegel, 2/1954, S. 5-6; Deutsche Filmkunst, 5/1954, S. 8, 21; DEFA–Pressedienst, 4/1954; DEFA 1946-1964 Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme FILMOGRAFIE, Henschel Verlag Berlin 1969, S. 57; Günter Jordan: Die Stimme. Stephan Hermlin und der Film In. apropos: Film, Jahrbuch der DEFA-Stiftung 2003, S. 52ff; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 92; Thomas Heimann: Von Stahl und Menschen In: : Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam 1996, S. 54)

August 1954

6. August

Erstaufführung des ersten DEFA-Zeichentrickfilms KATZENMUSIK (R: Lothar Barke). Der kleine Farbfilm mit einer Länge von sechs Minuten entstand am Studio für populärwissenschaftliche Filme. Er ist eine Parodie über die Fans des Rock’n’Roll, jener Musik, die Begeisterung wie Ablehnung auslöst und Jung und Alt in der Gesellschaft voneinander scheidet.
(Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 92; Ralf Schenk & Sabine Scholze: Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955-1990, DEFA-Stiftung 2003; Ralf Schenk: Die bunte Welt der Animation. In: Leuchtkraft 2020, Journal der DEFA-Stiftung 4, S. 74f)

13. August

Premiere des 5-minütigen Dokumentarfilms BRÜDER UNTER DEM KREUZ (R: Gerhard Klüh), eine Produktion über den VI. Deutschen Kirchentag Juli 1954 in Leipzig, auf dem Christen aus Ost und West ein Bekenntnis zur deutschen Einheit ablegten. Es ist die erste und für lange Zeit einzige gesamtdeutsche Gemeinschaftsproduktion.
(Neue Zeit, Berlin, 28. August 1954, S. 2; DEFA 1946-1964 Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme FILMOGRAFIE, Henschel Verlag Berlin 1969, S. 50; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 92f)

27. August

Premiere des DEFA-Spielfilms ALARM IM ZIRKUS. Es ist einer der ersten Filme der zweiten Generation von DEFA-Regisseuren. Der Gegenwartsfilm von Gerhard Klein nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase über Jugendkriminalität ist abenteuerlich und sozial konturiert. Stilistisch orientiert er sich nicht mehr an der UFA-Tradition, sondern am italienischen Neorealismus. Ungeplant eröffnet er eine Reihe von Berlin-Filmen und eine regelmäßige Spielfilmproduktion für Kinder in der DDR.
(Ralf Schenk: Mitten im Kalten Krieg 1950 bis 1960. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 113; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 93; Ralf Schenk: DEFA 1946-1992. 100 Jahre Studio Babelsberg. Filmmuseum Potsdam 2012, S. 133)

September 1954

10. September

Premiere des DEFA-Dokumentarfilms SIEBEN VOM RHEIN (R: Andrew und Annelie Thorndike). Das ambitionierteste Projekt, das unter dem Zeichen der „Deutsche an einen Tisch“-Kampagne realisiert wurde, schildert den Besuch westdeutscher Arbeiter in einem ostdeutschen Stahlwerk. Zum ersten Mal im DEFA-Dokumentarfilm kommt hier Originalton als durchgängig gestaltendes Prinzip zum Einsatz. Erstmals bezeugen Westdeutsche in ihren Worten vor Ort in der DDR deren Vorzüge.
(DEFA 1946-1964 Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme FILMOGRAFIE, Henschel Verlag Berlin 1969, S. 59; Thomas Heimann: Von Stahl und Menschen. In: Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam 1996, S. 54; Matthias Steinle: Deutsch-deutsche Feindbilder: Die gegenseitige Darstellung von BRD und DDR im Dokumentarfilm der 1950er Jahre. DEFA-Jahrbuch 2005, S. 94f)

17. September

Premiere des DEFA-Dokumentarfilms LIED DER STRÖME unter der Regie von  Joris Ivens. Der propagandistisch-poetische Film dokumentiert die politische Kraft der internationalen Gewerkschaftsbewegung und die Bedeutung des III. Kongresses des Weltgewerkschaftsbundes 1953 in Wien. Joris Ivens erhält von der DEFA freie Hand und gewinnt Künstler wie Dmitri Schostakowitsch, Bertolt Brecht, Paul Robeson, Vladimir Pozner und Pablo Picasso für das Projekt.
(Filmspiegel, 19/1954, S. 6-7; DEFA 1946-1964 Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme FILMOGRAFIE, Henschel Verlag Berlin 1969, S. 56; Thomas Heimann: Von Stahl und Menschen In: Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam 1996, S. 55f; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 93)

24. September

Premiere des DEFA-Spielfilms STÄRKER ALS DIE NACHT (R: Slatan Dudow) nach einem Drehbuch von Jeanne und Kurt Stern. Parallel zu Kurt Maetzigs Thälmann-Film entsteht damit ein antifaschistischer Film, der zum ersten Mal anstelle von Funktionären kommunistische Arbeiter und Widerstandskämpfer ins Zentrum der Filmhandlung stellt. Er setzt ihnen damit ein Denkmal. Der Mut der kleinen Widerstandsgruppe erwächst aus Überzeugung und Liebe. Der Film verzichtet weitgehend auf Pathos; die Montage unterstützt eindrucksvoll die Konzeption.
(DEFA-Spielfilme 1946-1964, Filmografie, Hrsg.: Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 58; Ralf Schenk: Mitten im Kalten Krieg 1950 bis 1960. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 118; Ralf Schenk: DEFA 1946-1992. 100 Jahre Studio Babelsberg. Filmmuseum Potsdam 2012, S. 131)

Ende September

Hans Rodenberg, Hauptdirektor der DEFA, führt als Leiter einer Filmdelegation in München Gespräche mit westdeutschen Produzenten über gesamtdeutsche Filmprojekte. Die Zusammenkunft erfolgt auf Einladung des Präsidenten des „Deutschen Kulturtages“, des Münchner Universitätsprofessors Dr. Dr. Karl Saller. Das ND berichtet darüber an prominenter Stelle unter der Überschrift: „Filme für ganz Deutschland. Erstes gesamtdeutsches Filmgespräch“.
(ND, 5. Oktober 1954, S. 3)

Die Plenartagung der Deutschen Akademie der Künste wählt Slatan Dudow, Wolfgang Staudte und Eduard von Winterstein als neue Mitglieder der Akademie.
(Deutsche Filmkunst, 3/1955, S. 143) 

Oktober 1954

In China findet in mehreren Städten eine Woche des Deutschen Films statt. Präsentiert werden DIE UNBESIEGBAREN (R: Artur Pohl), GEHEIMAKTEN SOLVAY (R: Martin Hellberg), ROMAN EINER JUNGEN EHE (R: Kurt Maetzig) und JACKE WIE HOSE (R: Eduard Kubat). Der Filmspiegel vermeldet mehr als eine halbe Million Besucher.
(Filmspiegel, 23/1954, S. 2)

Oktober

Das westdeutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, dass die West-Berliner Kriminalpolizei die Wohnung des Kameramannes Erich Onasch „wegen Verdachtes landesverräterischen Nachrichtendienstes“ durchsucht hat. Onasch steht unter Verdacht, Filmaufnahmen vom 17. Juni 1953 für 2.400 DM-West und eine Reihe weiterer Aufnahmen - unter anderem von einer Demonstration der „Opfer des Stalinismus“ auf dem West-Berliner Steinplatz - an die DEFA verkauft zu haben. Weiter heißt es, dass in keinem westdeutschen Gesetz geschrieben steht, dass das Filmen für die DEFA in der Bundesrepublik verboten ist. Erst wenn Grund zu der Annahme besteht, dass sich weniger der „Augenzeuge“ als vielmehr der Geheimdienst der DDR für die Aufnahmen interessiert, kann die Polizei einschreiten.
(Der Spiegel, Manöverbilder für den Osten , 5. Januar 1955; Jeanpaul Goergen: Chronik des deutschen Dokumentarfilms 1945-2005. 2018. Abruf 5. Februar 2024)

1. Oktober

Premiere des DEFA-Dokumentarfilms EIN STROM FLIESST DURCH DEUTSCHLAND (R: Joachim Kunert). An Bord von Dampfschleppern entsteht ein Porträt der Elbe mit Sehenswürdigkeiten von Schmilka bis Hamburg. Ost und West werden ebenbürtig dargestellt. Deutschland ist in Aufbruchsstimmung und die Narben des Krieges weichen Neuem; der Grenzfluss Elbe verbindet noch. Die deutsche Einheit wird beschworen. Der Film wird 1954 in Leipzig preisgekrönt.
(Filmspiegel, 18/1954, S. 11; DEFA 1946-1964 Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme FILMOGRAFIE, Henschel Verlag Berlin 1969, S. 52; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 93)

7. Oktober

Die Nationalpreise für Kunst und Literatur des Jahres 1954 werden verliehen.

  • I. Klasse: An das Filmkollektiv des DEFA-Spielfilms ERNST THÄLMANN - SOHN SEINER KLASSE um Dr. Willi Bredel (Drehbuchautor), Michael Tschesno-Hell (Drehbuchautor), Dr. Kurt Maetzig (Regisseur), Günther Simon (Schauspieler) und Karl Plintzner (Kameramann).
  • III. Klasse: An das Filmkollektiv des DEFA-Dokumentarfilms LUDWIG VAN BEETHOVEN um Stephan Hermlin (Drehbuchautor), Max Jaap (Regisseur) und Dr. Eberhard Rebling (Musikwissenschaftler). 
  • Kollektiv des DEFA-Spielfilms ALARM IM ZIRKUS um Gerhard Klein (Regisseur) und Wolfgang Kohlhaase (Drehbuchautor).

(Filmspiegel 22/1954, S. 12; ND, 8. Oktober 1954, S. 6)

November 1954

1. November 

Der am 15. Juni 1946 von der Kulturabteilung der SMAD gegründete Künstlerclub „Die Möwe“, der ab Anfang 1953 geschlossen war, wird als Club der Bühnen- und Filmschaffenden „Möwe“ der Gewerkschaft Kunst übergeben. Sekretär des Klubs wird Wolfgang Kernicke.
(Filmspiegel, 23/1954, S. 4)

1. November

Die Deutsche Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg wird gegründet. Gründungsrektor ist Dr. Kurt Maetzig, der gleichzeitig zum Professor für Filmregie berufen wird. 1956 werden Martin Hellberg (Regisseur), Dr. Albert Wilkening, Günter Althaus und später Hans Rodenberg vom Minister für Kultur ebenfalls zu Professoren der Deutschen Hochschule für Filmkunst ernannt. Geschäftsführender Direktor wird Dr. Heinz Baumert. Im ersten Studienjahrgang werden 48 Studenten in den Fachrichtungen Regie, Kamera, Dramaturgie und Produktion immatrikuliert.
(Verordnung über die Bildung der Deutschen Hochschule für Filmkunst. Vom 14. Oktober 1954 in: Gesetzblatt d. DDR Berlin, 28. Oktober 1954, Nr. 90; Filmhochschule In: Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, Berlin, 2. Auflage, 2006, S. 97ff; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 93; Günter Jordan: Film in der DDR, Daten - Fakten - Strukturen, Filmmuseum Potsdam, 2. Überarbeitete Fassung 2013, S. 275)

25./26. November

Nach Vorgesprächen im September in München verhandelt die DEFA in Hamburg mit dem Verband Deutscher Filmproduzenten e.V. Ein weiteres Treffen findet am 8. Dezember 1954 statt. Gemeinsam wird ein Konzept entwickelt, das vorsieht, im Jahr 1955 vier oder fünf Co-Produktionen herzustellen und je nach Erfolg diese Zahl in den folgenden Jahren zu steigern. Die angedachten deutsch-deutschen Projekte kommen nicht zustande. Erich Mehl, West-Berliner Filmproduzent, organisiert aber in den nächsten Jahren drei verdeckte Gemeinschaftsprojekte als deutsch-schwedische Co-Produktionen. Diese Filme werden in Schweden niemals gezeigt.
(Ralf Schenk: Mitten im Kalten Krieg 1950 bis 1960. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 90ff; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 95; Ralf Schenk:  Aus Liebe zum Film. Begegnung mit dem Produzenten Erich Mehl, Abruf: 22. Februar 2023)

Dezember 1954

Filmplakat zu "Carola Lamberti - Eine vom Zirkus"

CAROLA LAMBERTI - EINE VOM ZIRKUS

(R: Hans Müller, 1954) Grafiker: Adolf Baltzer

10. Dezember

Premiere des DEFA-Spielfilms CAROLA LAMBERTI - EINE VOM ZIRKUS unter der Regie von  Hans Müller. Das scheinbar unpolitische Projekt kommt auf Anregung Henny Portens zustande, ein gealterter und vergessener Star der Stummfilmzeit. Porten lebt in Ratzeburg, kümmert sich aber nicht um eine Rufschädigung im Westen durch eine Arbeit in der „Ostzone“. Auch in der NS-Zeit hat sie sich nicht dem Druck gebeugt, als sie sich um den Preis ihrer Karriere von ihrem jüdischen Ehemann scheiden lassen sollte.
(ND, 10. Dezember 1954, S. 1; DEFA–Spielfilme 1946–1964, Filmografie, Hrsg.: Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 49; Ralf Schenk: Mitten im Kalten Krieg 1950 bis 1960. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 86, 98f)

21. Dezember

Der Heinrich-Greif-Preis 1954 wird von Johannes R. Becher im Rahmen einer Feierstunde im Ministerium der Kultur verliehen.

  • I. Klasse: An Helmut Brandis, Ernst Dahle und Johannes Knittel für die Entwicklung der Synchronisation von Filmen.
  • II. Klasse: An das Kollektiv des Dokumentarfilms TURBINE I um Joop Huisken (Regisseur); Karl Gass (Autor) und Hans Dumke (Kameramann).
  • III. Klasse: An das Kollektiv der satirischen Kurzfilmreihe „Das Stacheltier“ um Richard Groschopp (Regisseur), Dr. Georg Honigmann (Chefredakteur) und Erwin Anders (Kameramann).

(Filmspiegel, 1/1955, S. 2; ND, 23. Dezember 1954, S. 4)

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