Filmstill zu "Mein lieber Robinson"

DEFA-Chronik für das Jahr 1983

 

Künstlerinnen und Künstler der DEFA nehmen im Jahr 1983 an mehreren erstmals durchgeführten Filmwochen im Ausland teil.

  • im März: in Pjöngjang (Nordkorea) an der DDR-Filmwoche
  • im September: in Washington (USA) an der DDR-Filmwoche, die dem Gedenken an Konrad Wolf gewidmet ist. Es werden sieben Spielfilme aus dem aktuellen DEFA-Schaffen präsentiert.

Spiegelbildlich dazu finden Filmwochen befreundeter Länder in der DDR statt. Darüber hinaus sind DEFA-Filmschaffende international auf zahlreichen weiteren Festivals und Filmwochen vertreten.
(ND, 16. März 1983, S. 5; ND, 1. Oktober 1983, S. 4)

Januar 1983

20. Januar

Die Premiere des DEFA-Spielfilms DER AUFENTHALT findet statt. Die Vergabe der Verfilmungsrechte für seinen Roman knüpft Hermann Kant, der zu dieser Zeit als Vorsitzender des Schriftstellerverbandes fungiert, an die Bedingung, dass Wolfgang Kohlhaase das Drehbuch verfasst und der politisch in Ungnade gefallene Frank Beyer die Inszenierung übernimmt. In seiner Bearbeitung reduziert Kohlhaase die Romanvorlage auf die Frage nach der individuellen Schuld des Einzelnen. Der Protagonist, ein Soldat eines Infanteriebataillons und nun Kriegsgefangener in Polen, ist nicht der Kriegsverbrecher, für den er irrtümlich gehalten wird. Zur Premiere ist den polnischen Schauspielenden die Anreise untersagt, da die polnische Seite das Werk als antipolnisch bewertet. Aufgrund dieser nicht ausgeräumten Differenzen wird auch die Teilnahme des Films an der Berlinale zurückgezogen. Infolge der politischen Entwicklungen in Polen nach 1980 existieren zu dieser Zeit keine offiziellen Kulturkontakte zwischen Polen und der DDR, da die neuen unabhängigen polnischen Verbände die Vertretungen der DDR nicht anerkennen.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1982, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 15; Film und Fernsehen, 2/1983, S. 3-6, 5/1985, S. 43-45; Filmspiegel, 3/1983, S. 10; 8/1984, S. 7-9; BFF, 2/1984, S. 78-137; Aus Theorie und Praxis des Films, 1/1986, S. 88-97, 98-106; Elke Schieber: Anfang vom Ende oder Kontinuität des Argwohns 1980 bis 1989. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 297f; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 222; Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hrsg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, 2. Auflage, Berlin: 2006, S. 392-396; Knut Elstermann: Gespräche mit Wolfgang Kohlhaase. BeBra Verlag 2023. S. 54)

Februar 1983

1. Februar

Mit der Fertigstellung der ständigen Ausstellungen zur deutschen Filmgeschichte von 1895 bis 1945 sowie zur Geschichte der DEFA steht das Filmmuseum der DDR im barocken Potsdamer Marstall den Besucherinnen und Besuchern nun vollständig zur Verfügung. Das Haus verfügt über eine Ausstellungsfläche von 750 Quadratmetern, einen Kinosaal mit 118 Plätzen und ein angeschlossenes Café. Die feierliche Einweihung vollzieht der Minister für Kultur, Dr. Hans-Joachim Hoffmann. Die Leitung des Museums übernimmt Direktor Dr. Gerhard Weise.
(Film und Fernsehen, 5/1981, S. 8-13; Filmspiegel, 4/1983, S. 2; Filmklub-Mitteilungen, 3/1985, S. 35-37; ND, 2. Februar 1983, S. 6; Neue Zeit, 4. Februar 1983, S. 4)

12. Februar

Der DEFA-Dokumentarfilm CANTO GENERAL unter der Regie von Joachim Tschirner kommt in die Kinos der DDR. In seinem Werk verknüpft Tschirner die Entstehungsgeschichte der Kantate mit den Lebenswegen der beiden Ausnahmekünstler Mikis Theodorakis und Pablo Neruda. Die Idee zu diesem Filmprojekt entstand während der Proben von Mikis Theodorakis zur Aufführung des Oratoriums in Berlin, die Tschirner persönlich begleitete.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1982, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 43; Filmspiegel, 7/1983, S. 24-25; Berliner Zeitung, 21. März 1981, S. 2; Elke Schieber: Im Dämmerlicht der Perestroika 1980 bis 1989. In: Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam 1996, S. 187, 225)

24. – 27. Februar

In Bautzen finden die ersten Tage des sorbischen Films statt. Als Veranstalter tritt die Produktionsgruppe Sorbischer Film des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden auf. Im Rahmen der Veranstaltung wird der Film SORBISCHE VOLKSMUSIKANTEN von Toni Bruk uraufgeführt. Zudem umfasst das Programm weitere Produktionen aus dem Dresdner Trickfilmstudio sowie Amateurfilme aus der Tschechoslowakei und der DDR.
(ND, 26. Februar 1983, S. 4; Informationsbulletin des VFF, 5/1983, S. 6-8; Filmspiegel, 8/1983, S. 6-7; BFF, 3/1983, S. 115-121)

März 1983

11. März

Die Heinrich-Greif-Preise des Jahres 1983 werden verliehen.

  • I. Klasse: An das Schöpferkollektiv des DEFA-Films DIE BEUNRUHIGUNG um Regisseur Lothar Warneke, Autorin Helga Schubert, Kameramann Thomas Plenert und Hauptdarstellerin Christine Schorn für die überzeugende Gestaltung eines konfliktreichen Stoffes aus dem Alltag der sozialistischen Gesellschaft.
  • II. Klasse: An ein Kollektiv von Regisseurinnen und Regisseuren des Fernsehens der DDR für die Filme der Sendereihe über „Berühmte Ärzte der Charité“ um Ursula Bonhoff, Joachim Kunert, Manfred Mosblech und Wolf-Dieter Panse für die anspruchsvolle künstlerische Gestaltung der Lebensschicksale bedeutender Persönlichkeiten der Charité.
  • III. Klasse: An die Journalistin Rosemarie Rehahn für ihre langjährige parteiliche und sachkundige Tätigkeit als Filmkritikerin und Filmpublizistin.
  • III. Klasse: An den Synchronregisseur Arno Wolf für seine langjährigen hervorragenden Leistungen bei der Synchronisation bedeutender ausländischer Filme.

(Filmspiegel, 7/1983, S. 2; Informationsbulletin des VFF, 4/1983, S. 20; ND, 12. März 1983, S. 4)

17. März

Die Premiere des DEFA-Spielfilms DAS LUFTSCHIFF (R: Rainer Simon) findet im Berliner Kino International statt. Das künstlerisch-experimentelle Werk basiert auf dem gleichnamigen Roman von Fritz Rudolf Fries und erzählt über vier Jahrzehnte die Geschichte des besessenen Erfinders Franz Xaver Stannebein, der von seinem Traum eines Windmühlenluftschiffs angetrieben wird. In der Hauptrolle überzeugt Jörg Gudzuhn, der damit seine erste große Kinohauptrolle spielt. Da sich das ZDF vorab die westdeutschen Fernsehrechte sichert, können Teile des Films unter Mitwirkung mehrerer chilenischer Emigranten an Originalschauplätzen in Spanien gedreht werden. Trotz der visuellen Brillanz und der Kameraarbeit von Roland Dressel, die auf dem Nationalen Spielfilmfestival ausgezeichnet wird, stößt die komplexe Montage mit ihren zahlreichen Zeitebenen bei der offiziellen Kritik auf Ablehnung. Eine Teilnahme am Wettbewerb der Berlinale wird durch staatliche Stellen im Zusammenwirken mit dem Ministerium für Staatssicherheit verhindert.
(Film und Fernsehen, 5/1983, S. 3; Filmspiegel, 8/1983, S. 12; Philip Zengel:  DEFA-Film des Monats: Das Luftschiff, Dezember 2021)

18. März

Im Erfurter Panorama-Palast-Kino wird die Erfurter Filmschule eröffnet. Dieser Filmclub verfolgt das Ziel, das jüngste Kinopublikum gezielt mit künstlerisch wertvollen Filmen vertraut zu machen, filmästhetisches Grundwissen zu vermitteln und das allgemeine Filmverständnis zu fördern. Die Erfurter Filmschule ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bezirksfilmdirektion Erfurt und des Hauses der Jungen Pioniere Otto Grotewohl.
(Filmspiegel, 18/1983, S. 26; FBJ, 1987, S. 432; Filmklub-Mitteilungen, Sonderheft, 2/1989, S. 17-26; ND, 23. März 1983, S. 4)

April 1983

1. April

Heinz Rüsch wird durch den Minister für Kultur, Hans-Joachim Hoffmann, zum neuen Direktor des DEFA-Studios für Dokumentarfilme berufen. Er löst damit Wolfgang Kleinert ab, der diese Funktion acht Jahre lang innehatte und nun in den Ruhestand geht.
(Filmspiegel, 8/1983, S. 6-7; Günter Jordan: Film in der DDR, Daten - Fakten - Strukturen, Filmmuseum Potsdam, 2. überarbeitete Fassung 2013, S. 167)

3. – 9. April

In Riga findet das 4. Internationale Symposium der Filmdokumentaristen unter dem Thema „Die Suche nach neuen Möglichkeiten” statt. Als Veranstalter fungiert der Lettische Verband der Filmschaffenden. Die DDR ist mit mehreren Dokumentarfilmen vertreten: ÜBER DIE BERGE von Jochen Kraußer, RIESENREISE von Ernst Cantzler, IVO KLAUCK, 14 JAHRE ALT, QUERSCHNITTSGELÄHMT von Konrad Weiß sowie BERLIN – AUGUSTSTRASSE von Günter Jordan.
(Informationsbulletin der VFF, 6/7/8, 1983, S. 6-7)

28. April

Der kritische Gegenwartsfilm INSEL DER SCHWÄNE (R: Herrmann Zschoche) feiert Premiere. Das Szenarium stammt von Ulrich Plenzdorf und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Benno Pludra. Der Jugendfilm thematisiert den Alltag in einem unfertigen Ostberliner Neubaugebiet. Ein zugezogener Junge trifft dort statt auf eine gewachsene Gemeinschaft auf soziale Strukturen, in denen das Recht des Stärkeren dominiert und die Erwachsenen den Bedürfnissen der Kinder gleichgültig gegenüberstehen. Eigeninitiative und Forderungen der Kinder bleiben unerwünscht; statt der erhofften Abenteuerspielplätze erhalten sie lediglich betonierte Flächen. Durch seine Bildsprache erzeugt der Film eine Atmosphäre, die diese Form des Wohnungsbaus als Ursache sozialer Probleme markiert. Damit gerät das Werk in Konflikt mit der offiziellen Politik, welche die Wohnungsnot durch den massiven Bau von Großsiedlungen zu lösen versucht. Die staatliche Kritik wirft den Filmschaffenden Borniertheit sowie Ahnungslosigkeit vor und konstatiert, der Film zeige eine Welt, die nicht die der DDR sei.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1982, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 17; Film und Fernsehen, 5/1983, S. 5-6; Aus Theorie und Praxis des Films, 1/1986, S. 10-16; Filmspiegel, 8/1983, S. 4-5; Elke Schieber: Anfang vom Ende oder Kontinuität des Argwohns 1980 bis 1989. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 274, 278; Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. DEFA-Stiftung 2006, S. 223f; Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hrsg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, 2. Auflage, Berlin 2006 S. 399-403)

Juni 1983

22. Juni

Im Alter von 69 Jahren stirbt der Autor und Regisseur medizinischer Lehrfilme Fritz Dick. Aus einem medizinisch geprägten Elternhaus stammend und durch Erfahrungen als Sanitätssoldat, Fotograf und Filmamateur vorgeprägt, meldet er sich bereits im November 1945 beim Filmaktiv. Er erachtet die Produktion von Gesundheitsfilmen zur Bekämpfung von Volksseuchen als dringliche Aufgabe. So ist sein erster Film FLECKFIEBER DROHT bereits am offiziellen Gründungstag der DEFA fertiggestellt. Im Berliner Betriebsteil in der Krausenstraße baut er die Arbeitsgruppe Medizin- und Hygienefilm auf, die primär für das Ministerium für Gesundheitswesen und das Fernsehen der DDR arbeitet.

Bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1982 bleibt Dick der DEFA treu. Er realisiert als Autor und Regiekameramann über 200, teils mehrteilige Hochschul- und Lehrfilme, wobei er häufig mit namhaften Fachberatern wie Professor Sauerbruch oder dem Gynäkologen Professor Kraatz kooperiert. Zu seinen letzten Regiearbeiten zählt der Film PRÄNATALE DIAGNOSTIK GENETISCHER DEFEKTE. Als abschließenden Beitrag für die DEFA verfasst er für die Dokumentation der Betriebsgeschichte eine Abhandlung über die Anfänge des Medizinfilms nach 1945. Sein jahrzehntelanges Engagement in der medizinischen Aufklärung und Vorsorge wird international mit zahlreichen Ehrendiplomen gewürdigt; bereits 1959 erhält er zudem die Hufeland-Medaille des Ministeriums für Gesundheitswesen.
(ND, 11. Dezember 1959, S. 4; DEFA-Betriebsgeschichte 1984, Teil 3, S. 45-55; Gerhard Knopfe: Kalendarium einer deutschen Spezies. In: Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam 1996, S. 297ff; Biografie Fritz Dick. In: Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam 1996, S. 392-393; Günter Jordan: Film in der DDR, Daten - Fakten - Strukturen, Filmmuseum Potsdam, 2. überarbeitete Fassung 2013, S. 145-148)

25. Juni

In der Akademie der Künste Berlin findet die Veranstaltung „Filme aus Chile – Filme über Chile“ statt. Gezeigt werden chilenische Produktionen wie DER SCHAKAL VON NAHUELTORO (OT: El Chacal de Nahueltoro, 1969) von Miguel Littin oder LIEBE GENOSSEN (OT: Queridos companeros; 1976-78) von Pablo de la Barra sowie verschiedene Dokumentarfilme. Ergänzt wird das Programm durch Filme über Chile von Walter Heynowski, Gerhard Scheumann und Peter Hellmich, darunter die Titel MITBÜRGER (1974), DER KRIEG DER MUMIEN (1974) und GELDSORGEN (1975).
(Filmspiegel, 12/1983, S. 22-23)

August 1983

8. August

Herbert Volkmann verstirbt im Alter von 82 Jahren. Als Kommunist, der während der Zeit des Nationalsozialismus im Widerstand tätig war, übernimmt er 1945 die Leitung des Hauptamtes für Kunst und Kultur der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung und trägt damit die Verantwortung für die DEFA. Aufgrund seiner früheren Mitgliedschaft in der Roten Kapelle ist er Anfang der 1950er-Jahre politischen Repressalien ausgesetzt. Im Jahr 1958 folgt seine Berufung zum Direktor des Staatlichen Filmarchivs (SFA) in Potsdam, eine Funktion, die er rund zehn Jahre bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand ausübt. Volkmann ist maßgeblich daran beteiligt, das SFA zum seinerzeit weltweit zweitgrößten Filmarchiv aufzubauen. Durch sein Wirken in verschiedenen Funktionen innerhalb der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) trägt er wesentlich zum internationalen Ansehen der DDR auf diesem Fachgebiet bei und wird nach seinem Ausscheiden zum Ehrenmitglied der Organisation ernannt.
(FBJ, 1977, S. 135; Bundesarchiv: DEFA-Geschichte. Herbert Volkmann, Dokumentarfilm, DDR 1977; Bundesstiftung Aufarbeitung: Herbert Volkmann . Abruf: 2. Mai 2025; )

September 1983

1. September

Der DEFA-Spielfilm FARIAHO...! unter der Regie von Roland Gräf wird uraufgeführt. Das unkonventionelle Werk stellt einen eigenwilligen Sonderling in das Zentrum der Handlung, der von dem polnischen Darsteller Franciszek Pieczka verkörpert wird. Mit der Darstellung eines Mannes, dessen missionarischer Eifer einem falschen Ziel gilt, markiert der Film einen der künstlerischen Höhepunkte des DEFA-Schaffens in den achtziger Jahren.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1983, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 19; Filmspiegel, 18/1983, S. 10-11; Film und Fernsehen, 12/1983, S. 10; Axel Geiss: Repression und Freiheit. DEFA-Regisseure zwischen Fremd- und Selbstbestimmung. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung 1997, S. 31; F.-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, S. 242f)

Oktober 1983

6. Oktober

Die Nationalpreise für Kunst und Literatur des Jahres 1983 werden vergeben.

  • I. Klasse: An den Schriftsteller und Präsidenten des Schriftstellerverbandes der DDR, Dr. Hermann Kant, für sein literarisches und publizistisches Schaffen.
  • II. Klasse: An Reiner Bredemeyer, Erwin Burkert, Irene Busch, Eberhard Geick, Lothar Keil und Peter Voigt für die Arbeit an BUSCH SINGT.

(ND, 8/9. Oktober 1983, S. 4)

November 1983

24. November

Die Premiere des DEFA-Spielfilms OLLE HENRY (R: Ulrich Weiß) findet im Berliner Kino International statt. Weiß inszeniert die Geschichte einer Liebe, die an den Trümmern der Nachkriegszeit scheitert, als stilsichere und optisch eindrucksvolle Parabel über einen falschen Anfang. In der Hauptrolle hinterlässt Michael Gwisdeck einen bleibenden Eindruck. Der Film entsteht für DEFA-Verhältnisse ungewöhnlich zügig und mit Raum für Improvisation: Nachdem Ulrich Weiß im August 1982 das Szenarium erhält und die Drehgenehmigung erteilt wird, beginnen die Dreharbeiten bereits im Herbst desselben Jahres.

Aufgrund der operativen Beobachtung des Regisseurs durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) erfolgt der Verleih des fertigen Films sowie die Pressearbeit gegenüber dem westlichen Ausland jedoch nur zurückhaltend. Die Leitung des DEFA-Studios für Spielfilme und die Hauptverwaltung Film lehnen Einladungen zum Max-Ophüls-Preis nach Saarbrücken sowie zu den Internationalen Filmfestspielen in West-Berlin zunächst ab. Auch die schriftliche Berufung von Ulrich Weiß in die Jury des Max-Ophüls-Preises für das Jahr 1984 erreicht den Regisseur nicht, da die staatlichen Stellen ihn weder über die Einladung noch über deren Ablehnung informieren.

Erst nach einer persönlichen Intervention des Saarbrücker Oberbürgermeisters Oskar Lafontaine beim Leiter der Ständigen Vertretung der DDR in der Bundesrepublik ändert die staatliche Leitung ihre Haltung. Ulrich Weiß darf schließlich in Begleitung des DEFA-Chefdramaturgen zum Festival reisen, wo der Film einen vom Oberbürgermeister gestifteten Sonderpreis erhält. Nach Auswertung aller Quellen schließt das MfS im Anschluss an diese Reise die Akte zum operativen Personenkontrollvorgang (OPK) und stuft Ulrich Weiß fortan als Reisekader für das nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet (NSW) ein.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1983, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 23; Film und Fernsehen, 2/1984, S. 11; Filmspiegel, 25/1983, S. 14; Axel Geiss: Repression und Freiheit. DEFA-Regisseure zwischen Fremd- und Selbstbestimmung. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung 1997, S. 161-167)

27. November

Der DEFA-Kinderfilm MORITZ IN DER LITFASSSÄULE unter der Regie von Rolf Losansky feiert im Berliner Kino Colosseum Premiere. Das Werk entwickelt sich zu einem der größten Erfolge des DDR-Kinderfilms sowie seines Regisseurs. Im Zentrum der einfallsreichen, teils phantastischen Handlung, die auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Christa Kożik basiert, steht der Junge Moritz, dessen gründliche, aber langsame Denkweise die Erwachsenen in seiner Umgebung zur Verzweiflung bringt. Rolf Losansky und Christa Kożik entwickeln aus diesem Stoff später ein Theaterstück, das nach der Jahrtausendwende zahlreiche Bühnen in Ost und West erobert.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1983, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 22; Filmspiegel, 26/1983, S. 124, 8/1984, S. 9; Film und Fernsehen, 2/1984, S. 12; F-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, S. 628f)

Dezember 1983

12. Dezember

In Paris wird am Boulevard Saint-Germain Nr. 117, im traditionsreichen Quartier Latin, das Kulturzentrum der DDR durch Außenminister Oskar Fischer eröffnet. An der Zeremonie nehmen sein französischer Amtskollege Claude Cheysson sowie weitere Mitglieder der französischen Regierung teil. Zur Delegation der DDR-Künstler gehören Hermann Kant, Gisela May, Jutta Wachowiak, Günther Rücker und Günter Reisch. Die erste Ausstellung des Hauses ist dem Werk des Bildhauers und Grafikers Fritz Cremer gewidmet. Den Konzertsaal weihen die Dresdner Kammersolisten und Gisela May mit einem Liederabend ein. Den Auftakt zur Vermittlung der DDR-Filmkunst bildet die Vorführung des DEFA-Spielfilms DIE VERLOBTE unter der Regie von Günther Rücker und Günter Reisch.
(Filmspiegel, 1/1984, S. 2; Neue Zeit, 14. Dezember 1983, S. 1, 6)

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