DEFA-Chronik für das Jahr 1991
Januar 1991
Anfang Januar
Bernhard Nowak, einer der beiden Geschäftsführer der DEFA Studio Babelsberg GmbH, erkrankt schwer und fällt infolge einer Bandscheibenoperation für etwa drei Monate aus. Damit ruht die alleinige Verantwortung bei Gert Golde, der erst seit September 1989 das Amt des Generaldirektors bekleidet. Im August 1991 muss sich auch Golde einer Bandscheibenoperation unterziehen, da er die physische und psychische Belastung nicht mehr tragen kann.
(Dorett Molitor & Gert Golde: Ein Arbeitsleben für die DEFA. Der letzte Generaldirektor des Spielfilmstudios im Gespräch. DEFA-Stiftung 2018, S. 243, 249, 251)
10. Januar
Im Berliner Clubkino „Felix“ des Progress-Verleihs feiert der Spielfilm DAS MÄDCHEN AUS DEM FAHRSTUHL Premiere. Unter der Regie von Herrmann Zschoche entstand das Werk nach der gleichnamigen Erzählung von Gabriele Herzog. Der noch vom DEFA-Studio für Spielfilme produzierte Film erhielt am 3. Juli 1990 seine staatliche Zulassung. Zschoche erzählt darin eine realistische Geschichte über Jugendliebe und das Erwachsenwerden in der späten DDR. Er thematisiert dabei die eingeschränkten Bildungschancen für Jugendliche, die unverschuldet aus schwierigen familiären Verhältnissen stammen. DAS MÄDCHEN AUS DEM FAHRSTUHL markiert Herrmann Zschoches letzte Regiearbeit für die DEFA.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1990, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 29)
21. Januar
Angesichts ihrer bevorstehenden Entlassung gründen renommierte Dokumentarfilmregisseure der DEFA – unter ihnen Eduard Schreiber, Petra Tschirner, Volker Koepp, Winfried Junge, Helke Misselwitz und Karlheinz Mund – den „Ostdeutschen Filmverein e. V.“. Ihr Ziel ist die Gründung einer „DEFA-Dokumentarfilm GmbH“. Nach ihren Vorstellungen sollen die Rechte an den von ihnen produzierten DEFA-Filmen sowie Immobilien, Kamera- und Tontechnik und Schneideräume als Stammkapital in die neue Gesellschaft einfließen. Diesem Vorhaben bleibt der Erfolg jedoch versagt.
(Neue Zeit, 22. Januar 1991, S. 11)
24. Januar
Der von der DEFA Studio Babelsberg GmbH produzierte Spielfilm HEUTE STERBEN IMMER NUR DIE ANDERN von Siegfried Kühn erlebt im Berliner Kino International seine Uraufführung. Im Zentrum steht das Tabuthema Sterbehilfe, das in dieser Form ein Novum für die DEFA darstellt und auch gesellschaftlich kontrovers diskutiert wird. Die Umsetzung durch den Regisseur stößt auf massive Kritik, die von Vorwürfen des Kitsches und der Esoterik bis hin zur Darstellung einer übergriffigen Sterbehelferin reicht. Auch die Autorin der literarischen Vorlage kritisiert den Film, da die ursprüngliche Ablehnung der Sterbehilfe in ihr Gegenteil verkehrt wurde.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1990, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 36ff; Berliner Zeitung, 24. Januar 1991, S. 13; F.-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, S. 366f)
Februar 1991
18. Februar
Der unter der Regie von Roland Gräf realisierte Spielfilm DER TANGOSPIELER läuft im Wettbewerb der Berlinale im Berliner Zoo-Palast; die Aufführung ist zugleich die Weltpremiere. Die Produktion der DEFA Studio Babelsberg GmbH entstand in Zusammenarbeit mit der Schweizer CSM Film-AG und dem Westdeutschen Rundfunk (WDR). Der Film, eine ironische und wehmütige Elegie, basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Christoph Hein. Roland Gräf verfasst das Drehbuch im Herbst 1989, während die Massenflucht aus der DDR das Land erschüttert. Obgleich der Film während der Dreharbeiten zwischen März und Juli 1990 zahlreiche politische Tabus bricht, wird diese Brisanz von der rasanten zeitgeschichtlichen Entwicklung zunächst überholt. Erst später entfaltet das Werk seine volle Wirkung als Synonym für den deutschen Untertanen, der sich zwar aufmüpfig zeigt, jedoch nicht zum Widerstandskämpfer taugt.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1990, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 46; Berliner Zeitung, 20. Feburar 1991, S. 13, Neue Zeit, 20. Februar 1991, S. 13; Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 338; Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, 2. Auflage, Berlin 2006 S. 465ff)
15. – 26. Februar
Bei den 41. Internationalen Filmfestspielen Berlin präsentiert die DEFA in der Reihe „Neue deutsche Filme 1990/91“ unter anderem die Spielfilme DIE ARCHITEKTEN von Peter Kahane, DAS MÄDCHEN AUS DEM FAHRSTUHL von Herrmann Zschoche sowie HEUTE STERBEN IMMER NUR DIE ANDERN von Siegfried Kühn. Seine Uraufführung feiert in diesem Rahmen BANALE TAGE von Peter Welz. Während Jürgen Brauers TANZ AUF DER KIPPE in der Sektion „Panorama“ gezeigt wird, läuft Roland Gräfs DER TANGOSPIELER als Uraufführung im Wettbewerb. Im Bereich des Dokumentarfilms sind zudem LETZTES JAHR TITANIC von Andreas Voigt und ICH WAR EIN GLÜCKLICHER MENSCH von Eduard Schreiber vertreten. Die Parallelpräsentation des Festivals im Osten Berlins verläuft derweil ernüchternd: Zu den 70 Vorführungen im Kino International finden sich lediglich 9.426 Besucher ein, was einer Platzauslastung von nur 25 Prozent entspricht.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1990, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 46, 120; DEFA-Blende, 6/1991, S. 1; Berliner Zeitung, 7. März 1991, S. 12)
24. Februar
Der dritte Dokumentarfilm der Leipzig-Reihe von Andreas Voigt, LETZTES JAHR TITANIC, läuft im Berliner Filmkunsthaus Babylon e. V. an. Bereits 1986 legte Voigt mit seinem Abschlussfilm ALFRED den Grundstein für seinen insgesamt fünf Filme umfassenden Leipzig-Zyklus. Die Reihe verdeutlicht, wie sich große historische Umbrüche in den Biografien und im Alltag der Menschen innerhalb eines spezifischen zeitlichen und räumlichen Kontextes niederschlagen.
Nachdem er 1989 den Aufstand der Bevölkerung in LEIPZIG IM HERBST dokumentierte, begleitet Voigt ab Dezember 1989 die Lebenswege ausgewählter Protagonisten bis zum Dezember 1990 weiter. LETZTES JAHR TITANIC inszeniert die Phase der Währungsunion und der Wiedervereinigung als karnevalesken Tanz auf dem sinkenden Schiff und zeigt zutiefst verunsicherte Menschen in einem Staat, der sich im Prozess der Auflösung befindet.
(Reinhild Steingröver: Spätvorstellung: Die chancenlose Generation der DEFA. Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, Berlin: Bertz+Fischer 2014, S. 192-225; Grit Lemke: Die Leipzig-Filme von Andreas Voigt , In: Bundeszentrale für politische Bildung, 2019, Abruf: 28. Februar 2025)
25. Februar
Das Regiedebüt des 27-jährigen Peter Welz, der Spielfilm BANALE TAGE, wird auf der Berlinale 1991 in der Reihe „Neue deutsche Filme 1990/91“ präsentiert. Da ein fertiges Drehbuch vorliegt, erhält das Projekt im Juni 1990 durch eine basisdemokratische Abstimmung innerhalb der Künstlerischen Arbeitsgruppe „DaDaeR“ die Produktionsfreigabe.
Der Film markiert einen radikalen Bruch mit den formalen und ästhetischen Normen der DEFA. Peter Welz erprobt darin eine experimentelle, ironische und parodistische Bildsprache. Das Werk versteht sich als ebenso bissiger wie bitterer Abgesang auf die DDR, angereichert mit Anspielungen auf den absurden Alltag und das korrumpierte Kulturleben des Staates. Trotz einer Auszeichnung beim Max-Ophüls-Preis 1991 zeigt sich das zeitgenössische Kinopublikum in Ost und West noch nicht bereit für diese Form der Auseinandersetzung. Obwohl der Film bereits im Dezember 1990 fertiggestellt wird, erfolgt die FSK-Zulassung erst am 19. August 1991. Seine offizielle Premiere feiert das Werk schließlich am 24. Januar 1992 im Berliner Kino Babylon.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1990, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 33; Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 336; Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, 2. Auflage, Berlin 2006 S. 472; Reinhild Steingröver: Spätvorstellung: Die chancenlose Generation der DEFA. Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, Berlin: Bertz+Fischer 2014)
25. Februar
Der Europäische Verband der Film- und Fernsehregisseure (FERA – Fédération Européenne des Réalisateurs de l'Audiovisuel) richtet einen Appell an die Bundesregierung und die Europäische Kommission, das DEFA-Gelände in Babelsberg zu erhalten und zu einem europäischen Filmzentrum auszubauen. Die Jahrestagung der 1981 gegründeten Organisation, der Regisseurinnen und Regisseure aus 19 Mitgliedsländern angehören, findet in Potsdam-Babelsberg statt. Unter den über 50 namhaften Teilnehmenden befinden sich Persönlichkeiten wie Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta, Wim Wenders, Werner Herzog, John Schlesinger, Claude Sautet und István Szabó. Als Gäste der Tagung sind zudem die DEFA-Regisseure Roland Gräf, Rainer Simon, Lothar Warneke und Roland Oehme geladen.
Einer der prägenden Ideengeber dieser Veranstaltung ist Volker Schlöndorff. Bereits im Oktober 1990 entsteht zu Werbezwecken ein 15-minütiges Video, in dem Schlöndorff in einem offenen Wagen über das Studiogelände fährt. In englischer Sprache berichtet er darin eindringlich von der Blütezeit der 1920er-Jahre sowie von den künftigen Potenzialen des Standorts. Initiator und Regisseur dieses Imagefilms ist Lothar Warneke; die Finanzierung übernimmt eine US-amerikanische Bank, für die Schlöndorff beratend tätig ist.
(DEFA-Blende Nr. 20/1990, 22. Oktober 1990, S. 3, Nr. 2/1991, S. 2; Berliner Zeitung, 26. Februar 1991, S. 11; Neue Zeit, 26. Februar 1991, S. 13; Gespräch mit Volker Schlöndorff. In: Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, 2. Auflage, Berlin 2006 S. 518; Dorett Molitor & Gert Golde: Ein Arbeitsleben für die DEFA. Der letzte Generaldirektor des Spielfilmstudios im Gespräch. DEFA-Stiftung 2018, S. 245; DEFA-Werbung. In Filmdienst, 9/1991)
März 1991
6. März
Der westdeutsche Produzent Dieter Geissler (Cinevox Mediengruppe), der bereits seit Sommer 1990 als Mieter auf dem DEFA-Gelände ansässig ist, schlägt die Einrichtung eines Runden Tisches zur Rettung der DEFA vor. Er äußert die Sorge, dass Investoren den Vorzug erhalten könnten, die ausschließlich an der Immobilie interessiert sind, deren Wert zu diesem Zeitpunkt auf rund 400 Millionen DM geschätzt wird. Geißler hält Investitionen in bauliche Maßnahmen in Höhe von mindestens 200 bis 250 Millionen DM für unumgänglich. In Übereinstimmung mit dem jüngsten Appell des europäischen Regieverbandes plädiert auch er für eine sorgfältige Prüfung internationaler Vergleichsmodelle.
(Berliner Zeitung, 7. März 1991, S. 12)
18. März
In einem Brief an den Präsidenten der Treuhandanstalt, Detlev Rohwedder, schildert der Geschäftsführer des DEFA-Studios, Gert Golde, die unhaltbare Situation des Standorts. Zuvor hatte der ursprünglich vorgesehene Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Gellert noch die Hoffnung genährt, die DEFA könne sich nach einer staatlich finanzierten Modernisierung in Höhe von 100 Millionen DM als nationales Zentrum für Kino- und Fernsehfilmproduktionen neu aufstellen. Dieser Weg findet jedoch bei den beteiligten Medienexperten keine Unterstützung, da diese einerseits in westdeutsche Studiostrukturen eingebunden sind und andererseits auf die Kulturhoheit der Bundesländer verweisen. Nur neun Tage vor dem für April 1991 geplanten Besuch Rohwedders in Babelsberg wird dieser bei einem Attentat erschossen. Seine Nachfolgerin Birgit Breuel verfolgt die ursprünglichen Pläne nicht weiter. Stattdessen beauftragt sie Peter Schiwy – den ehemaligen Intendanten des RIAS und späteren des NDR – damit, bis September 1991 innerhalb von sechs Monaten ein Konzept für den Verkauf der DEFA zu erarbeiten.
(DEFA-Blende 5/1991, S. 1; Berliner Zeitung, 3. April 1991, S. 1, 2; Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 342-353; Dorett Molitor & Gert Golde: Ein Arbeitsleben für die DEFA. Der letzte Generaldirektor des Spielfilmstudios im Gespräch. DEFA-Stiftung 2018, S. 247, 251, 321ff)
31. März
„Aus zwingenden betriebswirtschaftlichen Gründen“ werden bis März 1991 von den verbliebenen rund 600 Beschäftigten der DEFA Studio für Dokumentarfilme GmbH weitere 370 Personen entlassen. Davon ist überwiegend das künstlerische Personal an den Standorten Potsdam-Babelsberg und in der Berliner Otto-Nuschke-Straße (heute Jägerstraße) betroffen. Bis zum Sommer 1991 schrumpft die Belegschaft damit von ursprünglich 860 auf lediglich 240 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
(Neue Zeit, 22. Januar 1991, S. 11; Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 329-353; Monique Hofmann: Die DEFA. Keine Wende ohne Ende. Verdi: 12. November 2019)
April 1991
25. April
Im Progress-Clubkino „Felix“ feiert der DEFA-Spielfilm TANZ AUF DER KIPPE von Jürgen Brauer seine Uraufführung. Vor dem Hintergrund des Wendeherbstes 1989 thematisiert das Werk das Spannungsfeld zwischen Brutalität, individuellem Aufbegehren, Karrierismus und sozialistischer Utopie während des Ausverkaufs der DDR.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1990, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 47; Berliner Zeitung, 25. April 1991, S. 12; F.-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, S. 902)
Mai 1991
Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf wendet sich mit dem Bekenntnis an die Treuhand-Chefin Birgit Breuel, das DEFA-Studio für Trickfilme in Dresden als wirtschaftlich tragfähige Gesellschaft für Film und Animation zu fördern. Dieser Vorstoß stößt in Berlin jedoch auf keinerlei Resonanz. Parallel dazu nimmt im August die Filmförderung Sachsen ihre Arbeit auf, woraufhin erste Fördermittel für das Jahr 1992 beantragt werden können. Dank dieser Unterstützung entstehen im Folgejahr sechs Animationsfilme im Dresdner Studio.
(Sabine Scholze: Die Wende und die Zeit danach. In: Die Trickfabrik. DEFA-Animationsfilme 1955-1990. [Hrsg. Ralf Schenk & Sabine Scholze]. Dresden/Berlin 2003, S. 369-378)
Juni 1991
6. Juni
Im Rahmen des Deutschen Filmpreises werden mehrere DEFA-Produktionen durch das Bundesinnenministerium ausgezeichnet: Frank Beyer erhält das Goldene Filmband für sein Lebenswerk, während Michael Gwisdek für seine Leistung in DER TANGOSPIELER als bester Darsteller ebenfalls mit dem Goldenen Filmband geehrt wird. Das Silberne Filmband geht an Roland Gräf für die Regie von DER TANGOSPIELER sowie an Sibylle Schönemann für ihren Dokumentarfilm VERRIEGELTE ZEIT. Die Vergabe der Filmbänder bildet das Kernstück der Filmförderung der Bundesregierung.
(Berliner Zeitung, 7. Juni 1991, S. 1, 17; DEFA-Blende, 6/1991, S. 1)
18. Juni
Im DEFA-Studio für Trickfilme wird schrittweise das gesamte künstlerische Personal entlassen, was etwa 150 der rund 250 Beschäftigten betrifft. Der Stellenabbau beginnt bei den Schnittmeisterinnen, gefolgt von Personen der Gewerke Regie, Dramaturgie und Kamera. Die ohnehin bescheidenen Abfindungen müssen von den Betroffenen erst gerichtlich eingeklagt werden.
(Sabine Scholze: Die Wende und die Zeit danach. In: Die Trickfabrik. DEFA-Animationsfilme 1955-1990. [Hrsg. Ralf Schenk/Sabine Scholze]. Dresden/Berlin 2003, S. 369-378)
30. Juni
Die 74 Musikerinnen und Musiker des DEFA-Symphonieorchesters werden entlassen. Im Jahr 1993 schließen sie sich mit dem Rundfunk-Tanzorchester Berlin (RTB) zum Deutschen Filmorchester Babelsberg zusammen. Damit führen sie eine Tradition fort, die bis auf das ursprüngliche Ufa-Orchester zurückreicht.
(Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 334f)
Juli 1991
Das Filmmuseum Potsdam, das zu DDR-Zeiten der Abteilung Staatliche Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci unterstellt war, geht in die Trägerschaft des Landes Brandenburg über und wird somit zum Landesmuseum.
(Filmmuseum Potsdam: Geschichte , Abruf: 13. Februar 2025)
August 1991
15. August
Auf dem DEFA-Gelände in Potsdam-Babelsberg wird ein „Film- und TV-Erlebnispark“ eröffnet. Der Besuch von Hildegard Knef und Inge Meysel macht die Eröffnung zu einem viel beachteten Medienereignis.
(Berliner Zeitung, 16. August 1991, S. 19; Dorett Molitor & Gert Golde: Ein Arbeitsleben für die DEFA. Der letzte Generaldirektor des Spielfilmstudios im Gespräch. DEFA-Stiftung 2018, S. 249)
September 1991
4. September
Herwig Kippings Spielfilmdebüt DAS LAND HINTER DEM REGENBOGEN, gedreht zwischen Oktober und Dezember 1990, wird beim 1. Osteuropäischen Nachwuchs- und Experimentalfilmfestival in Cottbus erstmals dem Publikum vorgestellt. Der Film blickt auf die stalinistischen Anfänge der DDR zurück und leuchtet die Abgründe einer ideologisierten Dorfgemeinschaft im Jahr 1953 aus. Dabei ist das Werk weit mehr als eine bloße Abrechnung mit einem Staat, der Kipping lange die Chance verwehrte, sich als Regisseur zu beweisen; es ist vielmehr das Zeugnis einer gescheiterten Generation sowie Ausdruck ihrer Enttäuschung und Resignation. Kipping selbst reflektiert dies rückblickend: „Das Heiligste, was wir gefühlt haben, war dann plötzlich der Staat und die Gewalt und der Terror und der Mord. War zu einer Staatsauffassung, zur Ideologie, Weltanschauung geworden. Das ist nicht gut. Das Intime, die Liebe muss bei zwei Menschen bleiben.“
Nach Stationen beim Max-Ophüls-Festival und im Wettbewerb der 42. Berlinale im Februar 1992 wird der Film im Juni desselben Jahres mit dem Silbernen Filmband beim Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Obwohl das Werk im Mai 1992 die staatliche Zulassung erhält und am 4. September 1992 im Filmkunsthaus Babylon offiziell uraufgeführt wird, war es zu diesem Zeitpunkt bereits in mehreren Kinos der ehemaligen DDR zu sehen.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1990, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 39f; DEFA-Blende 8/1991, S. 7; TAZ, 30. Januar 1992; Berliner Zeitung, 6. Mai 1992, S. 19, 5. Juni 1992, S. 17; Neue Zeit, 3. September 1992, S. 12; Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 336; Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg): Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, 2. Auflage, Berlin 2006 S. 475; Reinhild Steingröver: Spätvorstellung: Die chancenlose Generation der DEFA. Schriftenreihe der DEFA-Stiftung. Berlin: Bertz+Fischer, 2014; F.-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, S. 507f)
5. September
Die Komödie FARSSMANN ODER ZU FUSS IN DIE SACKGASSE von Roland Oehme im „Haus am Köllnischen Park“ gezeigt. Das Drehbuch von Rudi Strahl basiert auf verschiedenen Erzählungen von Hermann Kant – dem einst hochgelobten und nach der Wende zur Persona non grata erklärten Schriftsteller und Vorsitzenden des DDR-Schriftstellerverbandes. Den Rahmen der Handlung bildet dabei die Erzählung „Der dritte Nagel“. Obwohl das fertige Drehbuch bereits seit fünf Jahren bei der DEFA auf seine Realisierung gewartet hatte, scheint der Film nun aus der Zeit gefallen: Geschichten, die die DDR-Identität humorvoll und beinahe verklärend reflektieren, stoßen in einer Phase auf wenig Resonanz, in der die massive Aufarbeitung und Kritik am untergegangenen Staat das öffentliche Bewusstsein prägen.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1990, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 35f; Berliner Zeitung, 9. September 1991, S. 26; Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 338; F.-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, S. 244f)
19. September
In der Berliner Filmbühne am Steinplatz feiert STEIN seine Uraufführung – der erste DEFA-Film von Egon Günther nach 12-jähriger Abwesenheit. In diesem Werk setzt sich Günther mit der inneren Emigration und deren fatalen persönlichen Konsequenzen auseinander: dem schleichenden Verfall, dem frühen Tod oder dem Verlust des Verstandes.
Das von Helga Schütz, Günthers langjähriger Lebenspartnerin, geschriebene Drehbuch macht STEIN zu seinem vielleicht persönlichsten Film, in dem er Versatzstücke der deutschen Vergangenheit collageartig aufblättert. Gleichzeitig ist es eine Studie über das Altern eines Mannes, der die Episoden seines Lebens nicht mehr zu ordnen vermag. In der Hauptrolle brilliert Rolf Ludwig mit der schillernden Darstellung eines Charakters, der letztlich an der Gefühlskälte der Welt zugrunde geht. Während Günther 1986 noch mit dem Versuch scheiterte, das Projekt bei der DEFA zu realisieren, wurde es nun vom DEFA-Spielfilmstudio mit Unterstützung der Tellux-Film GmbH produziert. Dabei arbeitete er im Wesentlichen mit demselben Team zusammen, das ihn bereits bis zu seinem Weggang aus der DDR begleitet hatte.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1990, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 43; Berliner Zeitung, 20. September 1991, S. 9; Neue Zeit, 20. September 1991, S. 12; Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 334f; Reinhild Steingröver: Spätvorstellung: Die chancenlose Generation der DEFA. Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, Berlin: Bertz+Fischer 2014, S. 28-72; Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg): STEIN. In: Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, 2. Auflage, Berlin 2006 S. 468ff; F.-B. Habel: Das große Lexikon der Spielfilme, Neuausgabe in zwei Bänden, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2017, S. 876ff)
Oktober 1991
Im Herbst 1991 finden Sondierungsgespräche zwischen dem französischen Mischkonzern CGE (Compagnie Générale des Eaux) und der Treuhandanstalt über die Übernahme der DEFA-Spielfilm GmbH statt. Gegen diese Pläne laufen Berliner mittelständische Filmproduzenten, allen voran Regina Ziegler, Sturm. Sie befürchten, künftig mit einem Großkonzern um die knappen Filmfördermittel konkurrieren zu müssen. Als Alternative bieten sie an, ihre eigenen Unternehmensstandorte nach Babelsberg zu verlegen.
(Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 342-353)
10. Oktober
Im Kino „International“ feiert Frank Beyers DEFA-Spielfilm DER VERDACHT Premiere, der in Koproduktion mit dem WDR entstanden ist. Das Drama macht die Unmenschlichkeit eines Systems sichtbar, das staatliche Wachsamkeit über persönliches Vertrauen stellt: Ein einziger Brief, der den Empfänger niemals erreicht, genügt hierbei, um das Leben zweier junger Menschen zu zerstören. Die Produktion ist mit Michael Gwisdek und Christine Schorn in den Elternrollen hochkarätig besetzt; das Szenarium stammt von Ulrich Plenzdorf, die Musik von Günther Fischer. Frank Beyer drehte diese tragische Liebesgeschichte nach Volker Brauns Erzählung „Die unvollendete Geschichte“ zwischen November 1990 und Januar 1991 – mit einem Team, dem zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend gekündigt worden war.
(Filmbibliografischer Jahresbericht 1990, Staatliches Filmarchiv der DDR, S. 50; Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 336ff; In: Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hg): Ulrich Plenzdorf. In: Die Spur der Filme, Zeitzeugen über die DEFA, Ch. Links Verlag, 2. Auflage, Berlin 2006, S. 471f)
12. Oktober
Der ORB (Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg) wird gegründet und mietet von der Treuhandanstalt eine Teilfläche des DEFA-Geländes. Dieses Areal umfasst unter anderem das historische Haus 31, die ehemalige Kunstblumenfabrik, die als Geburtsstätte der UFA gilt. Im Januar 1992 nimmt der ORB den Sendebetrieb aus dem Studio auf. Da der Sender jedoch über keine nennenswerten finanziellen Mittel verfügt, bleibt er als Auftraggeber für Filmproduktionen bei der DEFA vorerst bedeutungslos.
(Neue Zeit, 31. Dezember 1991, S. 7; Bärbel Dalichow: Das letzte Kapitel 1989 bis 1993. In: Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. Potsdam 1994, S. 342-353; Dorett Molitor & Gert Golde: Ein Arbeitsleben für die DEFA. Der letzte Generaldirektor des Spielfilmstudios im Gespräch. DEFA-Stiftung 2018, S. 247)
November 1991
24. November
Thomas Heises Dokumentarfilm EISENZEIT kommt in die Kinos. Das Werk bildet zusammen mit IMBISS SPEZIAL und STAU – JETZT GEHT’S LOS! eine Trilogie, die in der Umbruchphase der Wendezeit entsteht und als Heises persönlichste Auseinandersetzung mit dieser Ära gilt. In diesen Filmen dokumentiert Heise seine Sicht auf den Untergang der DDR. Er macht das tiefe Unverständnis zwischen Staatsmacht und Bevölkerung sichtbar und porträtiert Jugendliche, denen es nicht gelingt, sich aus den Zwängen einer als einengend empfundenen Kindheit zu befreien. In STAU zeigt er junge Menschen, teils selbst noch Kinder, die ihre Ohnmacht und Frustration in Gewalt gegen noch Schwächere kanalisieren.
(Heidemarie Hecht: Der letzte Akt 1989 bis 1992. In: Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam 1996, S. 258f)
Dezember 1991
Im Dresdner Trickfilmstudio wird mit DAS MÄRCHEN VOM BREIKESSEL der letzte Puppentrickfilm fertiggestellt. Die finalen Werke, die noch unter dem Signum „DEFA“ erscheinen, bleiben in der breiten Öffentlichkeit zunächst weitgehend unbemerkt. Dabei machen gerade diese filmischen Spätwerke die Atmosphäre ihrer Zeit auf kunstvolle Weise transparent: In Sieglinde Hamachers Zeichentrickfilm OKKUPATION (1990) nistet sich ein wohlgenährter Mann in der Wohnung eines hageren ein und verdrängt diesen schrittweise aus den eigenen vier Wänden. DIE PANNE (Klaus Georgi, Lutz Stützner, 1989) zeigt einen kleinen „Trabant“, der einen gesamten Staatskordon aus Limousinen, Panzern und Motorrädern aus einem Schlagloch zieht. In MONUMENT (Klaus Georgi, Lutz Stützner, 1989) jubeln die Massen einem Denkmal zu – völlig ungeachtet dessen, in welche Richtung es gerade weist.
Andere Filme nutzen allegorische Bilder: In C’EST LA VIE (Christian Biermann, 1988/89) entpuppt sich eine lockende Schönheit als Vampir, während Thomas Stephans Flachfigurenfilm NOAH (1990) die biblische Legende als zeitlose Parabel deutet – nur wer eigenverantwortlich handelt, entkommt der Flut der Passivität. Gábor Steisingers QUICK ANIMATION (1989) bricht schließlich mit Pop- und Rap-Elementen endgültig in die animatorische Moderne auf. Doch der technologische Sprung von der Handarbeit zur digitalen Produktion bleibt dem DEFA-Studio verwehrt. Zwar steht das Studio in Kontakt mit mehreren westdeutschen Produktionsfirmen, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind; allerdings ist der Standort Dresden seit der Währungsunion einem harten Wettbewerb ausgesetzt. Gegenüber anderen osteuropäischen Ländern ist das Studio nicht mehr konkurrenzfähig, wie ein Blick auf die Produktionskosten pro Zeichentrickminute verdeutlicht: Westdeutschland: 30.000 DM; Osteuropa: 6.000 DM.
(Sabine Scholze: Die Wende und die Zeit danach. In: Die Trickfabrik. DEFA-Animationsfilme 1955-1990. [Hrsg. Ralf Schenk/Sabine Scholze].Dresden/Berlin 2003, S. 369-378; Ralf Schenk: Die bunte Welt der Animation. Eine kleine DEFA-Trickfilmgeschichte von Ralf Schenk. Dezember 2021)
1. Dezember
Die Europäische Filmakademie veranstaltet die feierliche und öffentlichkeitswirksame Verleihung des Filmpreises „Felix“ in der Metropolishalle des Studios Babelsberg. Ein Teil der Presse sieht in der Gala jedoch keinen Prestigegewinn für den Standort und kritisiert das mediale Spektakel scharf: Wer wäre geeigneter gewesen als die zahlreich angereisten Stars, um die öffentliche Aufmerksamkeit endlich auf das „DEFA-Dilemma“ zu lenken? In dieser Erwartung hatte wohl auch Brandenburgs Kultusminister einen beachtlichen Betrag aus seinem ohnehin knappen Budget zu dem fast sechs Millionen Mark teuren Event beigesteuert. Nach diesem Abend bleibe die Erkenntnis, dass mit diesen Mitteln andere kulturelle Lücken sinnvoller hätten geschlossen werden können.
(Berliner Zeitung, 2. Dezember 1991, S. 1; Neue Zeit, 4. Dezember 1991, S. 4; Dorett Molitor & Gert Golde: Ein Arbeitsleben für die DEFA. Der letzte Generaldirektor des Spielfilmstudios im Gespräch. DEFA-Stiftung 2018, S. 254)
29. Dezember
Das Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG) tritt in Kraft und erfüllt damit eine Kernforderung der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Deren Mitglieder hatten 1989/90 durch die Besetzung der Stasi-Dienststellen die Vernichtung der Akten verhindert und deren Öffnung erkämpft. Fortan kann jedes Opfer des DDR-Unrechts die vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) über die eigene Person gesammelten Informationen einsehen. Eine derart umfassende Offenlegung geheimer Überwachungsdokumente ist historisch ohne Beispiel. Auch Medien erhalten zu publizistischen Zwecken Zugang, wovon teilweise reißerisch Gebrauch gemacht wird.
Während in der DDR im Durchschnitt einer von hundert Bürgern inoffiziell für das MfS arbeitete, war die Quote bei der DEFA als politisch relevantem Betrieb doppelt so hoch; hier wurden etwa 50 Personen enttarnt. Das Hauptinteresse der Staatssicherheit galt dabei insbesondere Persönlichkeiten aus den Bereichen Dramaturgie, Drehbuch und Regie. Nahezu alle, die das Ansehen der DEFA geprägt hatten – darunter Frank Beyer, Heiner Carow, Egon Günther, Lothar Warneke, Roland Gräf, Kurt Maetzig, Jürgen Böttcher und Rainer Simon –, wurden beobachtet. Unter den bespitzelten Autoren finden sich Namen wie Ulrich Plenzdorf, Jurek Becker, Wolfgang Kohlhaase, Christa Wolf, Manfred Bieler und Klaus Poche; selbst Studenten der Filmhochschule wurden überwacht.
Dabei greift eine einfache Schwarz-Weiß-Sicht nicht immer: Ein Beispiel dafür ist Christa Wolf, die als aufrechte Demokratin und mutige Verteidigerin anderer Künstler galt und dafür einen hohen persönlichen Preis zahlte. Als Symbolfigur stand sie für persönliche Integrität; ab 1968 wurde sie selbst als „operativer Vorgang“ überwacht, was ihre 45 Bände umfassende Opfer-Akte belegt. Im Januar 1993 macht sie jedoch nach dem Studium dieser Akte selbst bekannt, dass sie als junge Frau von 1959 bis 1962 als IM „Margarethe“ inoffiziell für die Stasi tätig war. In einer einstündigen Sondersendung der Reihe „Zur Person“ stellt sie sich den Fragen von Günter Gaus im ORB-Fernsehen. Im März 1993 tritt sie aus der Akademie der Künste aus und zieht sich in der Folge aus der politischen Öffentlichkeit zurück. Es vergehen viele Jahre, bis es im vereinten Deutschland möglich wird, emotionsfreier über dieses Thema zu diskutieren oder filmisch eine differenzierte Sicht auf Menschen zu werfen, die in das Stasi-System verstrickt waren. Ein Beispiel für diesen reflektierten Umgang ist Andreas Dresens Film GUNDERMANN aus dem Jahr 2018.
(Gesetz über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (Stasi-Unterlagen-Gesetz - StUG) vom 20. Dezember 1991; Berliner Zeitung, 21. Januar 1993, S. 1f; Der Spiegel: Die ängstliche Margarete , 24. Januar 1993; Neue Zeit, 22. Januar 1993, S. 3; Berliner Zeitung, 25. Februar 1993, S. 32; Volker Baer: Das andere Gesicht der DEFA. Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi in den Babelsberger Ateliers. Filmdienst 8/1998; Andreas Kötzing & Ralf Schenk [Hrsg]: Verbotene Utopie. Die SED, die DEFA und das 11. Plenum. DEFA-Stiftung Berlin 2015, S. 140f)